«Hier oben in Davos hat der Winter etwas Solides, ist nicht so flüchtig wie unten im Tal. Ist der Schnee mal da, muss man sich nicht dauernd Sorgen machen, dass er in drei Tagen schon wieder weg ist.

Die meisten Leute kennen nur die gewöhnlichen Schneekristalle, aber für mich gibt es viele verschiedene Formen von Schnee. Reif hat zum Beispiel seine ganz eigene Struktur. Oder die Becherkristalle, die sich weiter unten in der Schneedecke finden und unter dem Mikroskop wie kleine Plastikbecher aussehen.

Als ich nach dem Geografiestudium für meine Doktorarbeit von Berlin ans Institut für Schnee- und Lawinenforschung nach Davos kam, dachte ich: ‹Ein super Job – im Winter Ski fahren und im Sommer die Messungen auswerten.›

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wenn die Verhältnisse günstig sind, nehme ich auch am Wochenende Schneeproben. Man weiss nämlich nie, wie der Winter sich entwickelt. Fehlen am Ende der Saison noch Daten, muss ich ein ganzes Jahr warten, bis ich weitermachen kann.

Dass man sich an die Kälte gewöhnt, davon habe ich noch nichts gemerkt. Ich friere enorm schnell, aber zum Glück kann man mit den richtigen Kleidern fast alles aushalten: sogar minus 45 Grad, die ich in einem Winter in Sibirien zu spüren bekam.»

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