MehrwertsteuerSteuerbehörde gängelt Kickboxklub

Walter Klaus: Der Ex-Vizeweltmeister gibt nicht klein bei. Bild: Pascal Mora

Der Sportklub von Walter Klaus soll 88'000 Franken an Mehrwertsteuern bezahlen, obwohl Sportschulen davon befreit sind. Für den Kickboxklub geht es ums Überleben.

von Yves Demuth

Walter Klaus ist angezählt. Die Hauptabteilung Mehrwertsteuer fordert 88'000 Franken vom Sportklub des Ex-Vizeweltmeisters. Geld, das der 67-jährige Kickboxer nie einkassiert hat, wie er sagt. Denn Sportschulen sind von Mehrwertsteuern befreit. Klaus’ Modern Karate Center in Zürich wäre laut Schweizerischem Kickboxverband die erste Sportschule, die zahlen müsste. «Das Vorgehen der Steuerverwaltung ist fragwürdig», sagt Verbandspräsident Beat Richner.

Klaus arbeitet ehrenamtlich

Im Klublokal im zweiten Untergeschoss zieren kraftstrotzende Frauen und Männer sowie gerahmte Wettkampf-Urkunden die Wände. Auf einem Regal reihen sich Pokale. Klaus steht im Trainingsanzug hinter dem Empfangs­tresen und stärkt sich mit Kaffee. Im ungleichen Duell mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung will der sechsfache Schweizer Meister nicht klein beigeben.

«Wenn ich das tatsächlich bezahlen muss, dann geht mein Klub kaputt.»

 

Walter Klaus, Besitzer eines Sportklubs

Klaus fürchtet um seine Sportschule mit rund 140 Mitgliedern. Wenn er tatsächlich rückwirkend ab 2008 Mehrwertsteuern auf den gesamten Umsatz zahlen müsse, ginge der Klub in Konkurs, sagt der pensionierte Trainer. Die Kickbox-Akademie hat er vor 40 Jahren gegründet. Heute sei sie sein Hobby, das ihm den Kontakt mit jungen Kick­boxern ermögliche. Einen Lohn zahlt er sich nicht aus, zeigt der Jahresabschluss. Er arbeitet ehrenamtlich.

Klaus’ Steuerproblem geht auf eine schwammige Gesetzeslage zurück. Ausbildungskurse sind laut Steuerverwaltung von Mehrwertsteuern befreit, Fitnesstrainings jedoch nicht. Solange die Vermittlung von Wissen das oberste Ziel sei, gelte eine Steuer­befreiung. Wenn bei einer sportlichen Betätigung das Erlebnis im Vordergrund stehe, gelte das nicht.

Ein Lebenswerk ist bedroht

Was aber, wenn eine Kickboxschule nebenher mit wenigen Fitnessabos einen Umsatz von 25'000 Franken erwirtschaftet? Laut Klaus und seinem Anwalt entfällt auch dann die Mehrwertsteuerpflicht. Denn erstens sei ein Kickboxkurs eine Ausbildung, zweitens bezahle keine der 46 Schweizer Kickboxschulen Mehrwertsteuern, und drittens mache der Umsatz mit Fitnessabos nur 20 Prozent der Einnahmen aus und liege unter der 100'000-Franken-Grenze, ab der Firmen Mehrwertsteuern entrichten müssen.

Die Steuerverwaltung sieht das anders und will ­ihre Forderungen per Verfügung durchsetzen. Klaus hat Einsprache erhoben. Er hofft, dass die Steuer­behörde sein Lebenswerk nicht zerstört.

Veröffentlicht am 2017 M03 28