Die Entsorgungsmethoden der Oerlikon-Contraves sind weit primitiver als die von ihr entwickelten Waffensysteme: Offenes Sprengen oder Abbrennen im Freien ist normal.» Das war vor vier Jahren im Beobachter zu lesen (Nr. 17/1996). Der Ochsenboden liegt im hintersten Teil des Sihltals im Kanton Schwyz – offensichtlich zu weit von Bern und selbst vom Hauptort Schwyz entfernt. Denn hier wie dort wussten die zuständigen Stellen wenig bis gar nichts über jene Art der Sondermüllentsorgung. So, wie es bis vor kurzem auch kein Thema war, dass auf dem Ochsenboden einst Schiessversuche mit uranhaltiger Munition durchgeführt wurden.

Immerhin informierte sich 1996 das damalige Eidgenössische Militärdepartement (EMD) über die Entsorgung unter freiem Himmel. Während sich die Oerlikon-Contraves darauf berief, dass das offene Sprengen und Abbrennen von Munition weltweit am meisten verbreitet und somit vernünftig sei, hielt das EMD klar fest: «In Ländern mit fortschrittlicher Umweltschutz-Gesetzgebung entsprechen diese Verfahren nicht dem Stand der Technik. In der Schweiz wird ab dem Jahr 2000 Verbrennung oder Sprengung nur noch in geschlossenen Systemen erlaubt sein.»

Uneinigkeit herrschte auch bezüglich der Menge der entsorgten Munition. Oerlikon-Contraves sprach von 300 Tonnen, das EMD von «wesentlich höheren» Mengen. Oerlikon-Contraves hielt die Verbrennung der Treibladung von Flugzeugraketen für ökologisch vertretbar, das EMD hingegen wollte darauf in Zukunft verzichten, wegen des darin enthaltenen Bleis.

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Schliesslich wusste 1996 das Amt für Umweltschutz in Schwyz nichts davon, dass Oerlikon-Contraves gleich wieder einen Auftrag zur Entsorgung von Munition erhalten hatte. Munition war aber schon damals Sondermüll, dessen Entsorgung einer kantonalen Bewilligung bedurfte. Der Beobachter zog den Schluss: «Contraves-Pyrotec hat bisher auf dem Ochsenboden im grossen Stil und ohne Bewilligung Sondermüll entsorgt.»

Offene Informationspolitik
Immerhin: Die Firma hat inzwischen dazugelernt – jedenfalls was die Entsorgung konventioneller Munition anbelangt. Firmensprecherin Elisabeth Boner: «Wir erfüllen alle Auflagen peinlich genau. Im Freien wird nichts mehr gesprengt oder abgebrannt.» Martin Zumstein, Chef des Schwyzer Amts für Umweltschutz, präzisiert: «Die Munition wird heute nach Deutschland exportiert, wo sie kontrolliert entsorgt wird.» Nur noch hie und da fänden Notsprengungen von beschädigter Munition statt, die nicht mehr transportfähig sei. «Dies geschieht aber nicht im Freien, und wir werden immer informiert», erklärt Zumstein.

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