Mit Kaugummi als Tatwerkzeug waren Diebe bis vor kurzem erfolgreich: Sie klebten ihn durchgekaut an einen Stecken, angelten damit einen Zahlungsauftrag aus einem Post-Briefkasten, ersetzten die Einzahlungsscheine und ergaunerten sich so Tausende von Franken. Andere benutzten Drähte oder schoben Säcke ins Innere der gelben Kästen, die sie später mit der Briefbeute wieder entfernen konnten. Die Täter seien sehr kreativ gewesen, meint Gilbert Canton, Chef der «Brigade financière» der Waadtländer Kantonspolizei. Der Schaden ging in die Millionen.

Dann endlich reagierte die Post: Sie präsentierte einen neuen Briefkasten - mit «Sicherheitsschloss, Rückholsperre und Einsichtsschutz». Das neue Modell sei mit neuster Technik ausgestattet, also sicher, liess sich Post-Sprecher Oliver Flüeler im Juni dieses Jahres in den Medien zitieren. 3000 Exemplare hängen bereits, bis in zwei Jahren sollen es rund 19'000 sein.

«Wir können keine Tresore aufstellen»

Und wie reagieren die Kriminellen? Sie reissen die sicheren Briefkästen kurzerhand aus der Halterung. So geschehen im Juli in Yverdon-les-Bains VD und in Carouge GE. Von einem Restaurant aus hätten die Täter den Briefkasten beobachtet und zugeschlagen, sobald eine grössere Menge Briefe eingeworfen worden sei, erzählt Polizei-Brigadier Canton. «Die Diebe sind mit dem Kasten unter dem Arm davonspaziert.»

«Mit entsprechender krimineller Energie kann man jeden Briefkasten knacken», meint Post-Sprecher Flüeler. «Wir können ja keine Tresore aufstellen.» Ganz abgesehen davon, dass das auch nichts nützen würde. Selbst Bancomaten wurden von Dieben mit 32-Tonnen-Lastwagen ganz einfach ausgerissen.

Die Post empfiehlt ihren Kunden, Zahlungen per Internet zu tätigen oder Zahlungsaufträge direkt an einer Poststelle abzugeben. Wer partout weiterhin seine Zahlungsaufträge in den gelben Kasten vor dem Haus einwerfen will, sollte sich am Morgen danach zumindest einen Kontrollblick angewöhnen. Hängt der Briefkasten noch? Doch aufgepasst: Nicht nur Kriminelle nehmen gelbe Kästen mit. Das macht die Post auch selbst. Mehr als 6000 Briefkästen werden in den nächsten zwei Jahren an einen neuen Standort gehängt oder für immer entfernt.

PS: Kleiner Hinweis für Kriminelle, die beim Kaugummi-Trick bleiben wollen: Die alten Kästen hängen jetzt auf der Karibikinsel Aruba.