Immer wieder vibriert der Boden, die Werkstatt steht schief, Wände haben Risse: Jürg Bär­t­schigers Betrieb liegt gleich neben dem Gelände, wo die Alptransit Gotthard AG den Ceneri-Tunnel bohrt. Der 53- Jährige stellt in Camorino TI seit 18 Jahren Präzisionsteile her. Fehlertoleranz: ein Hundertstelmillimeter. Doch seit Frühling 2006 untergräbt die Bauerei seine Existenz – sie soll bis 2018 dauern. Aber wegziehen konnte er nicht, denn niemand würde das Grundstück kaufen (siehe Artikel zum Thema: «NEAT-Baustelle: Die Existenzgrundlage wackelt»).

Jetzt endlich, nach fünfeinhalb Jahren, hat sich eine Lösung ergeben. Die Tessiner Schätzungskommis­sion verfügte, dass die Parzelle nun doch enteignet wird. Alptransit bezahlt Bärtschiger total 940'000 Franken für Land und Gebäude, Umzug und die am neuen Ort nötigen Installationen.

Ein Dutzend Gewerbler mit Land innerhalb des Bauareals wurden bereits vor 2006 entschädigt und konnten umziehen. Doch Bärtschigers Par­zelle liegt knapp ausserhalb. «Es wäre klüger gewesen, ihn am Anfang aus­zukaufen», sagt ­Alptransit-Immobilienmanager An­gelo Mengoni rückblickend. Aber Alptransit könne im Prinzip nur Land enteignen lassen, das sie braucht. Liege ein Grundstück nicht im Perimeter, sei das rechtlich sehr schwierig. Zudem fürchtete Alptransit, dass Bärtschigers Fall andere Anrainer auf den Plan rufen könnte.

Bärtschiger hat bereits ein neues Grundstück etwas weiter weg. Der Neustart kostet mit der neuen Werkhalle rund 1,6 Millionen Franken. «Ich bin froh um jeden Tag, den ich früher von der Baustelle hier wegkann», sagt er.