Kontroverse in der katholischen Kirche: Markus Büchel, Vizepräsident der Schweizer Bischofskonferenz, spricht sich für eine auf den Sprachraum begrenzte schwarze Liste aus. Der Einsiedler Abt Martin Werlen plädiert für eine internationale Liste in Rom. Gar keine Liste will der Präsident der Schweizer Bischöfe, Norbert Brunner.

«Schwarze Listen sind grund­sätzlich eine gute Sache. Aber sie funktionieren nur, wenn sie konsequent und transparent eingesetzt werden», sagt die ehemalige TV-Pfarrerin und Prix-Courage-Trägerin Monika Schmid (siehe Artikel zum Thema).

Dass Schmid recht hat, zeigt ein Blick auf das ­Bildungswesen. Seit 2008 müssen die Kantone der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) jene Lehrer melden, denen die Unterrichtsbefugnis entzogen wurde. «Die Liste funk­tioniert und wird benutzt», sagt EDK-Generalsekretär Hans Ambühl. Wie viele Lehrer auf der Liste verzeichnet sind, verschweigt er jedoch. «Die Richtlinien der EDK sehen vor, dass wir diesbezüglich keine Zahlen bekanntgeben. Bisher konnte auch kein öffentliches Interesse dafür geltend gemacht werden.»

Für den eidgenössischen Daten­schützer Hanspeter Thür ist diese Informationspolitik «eigenartig». «Wenn die EDK dem Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung unterstehen würde, müsste sie die Zahlen publizieren.»

«Wusste nichts von der Liste»

Um Transparenz bemühte Kan­tone veröffentlichen die ­Zahlen, wie eine Umfrage zeigt. Zürich hat in den letzten zwei ­Jahren vier Fälle an die EDK gemeldet, Bern drei und Basel-Stadt einen Fall. Die Kantone Baselland, St. Gallen, Aargau und Luzern verweigerten die Auskunft.

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Der Nutzen der Liste ist auch nach zwei Jahren umstritten, schulische Anstellungs­behörden benutzen sie kaum je systematisch. «Ich wusste gar nicht, dass es eine solche Liste gibt. Das Departement hat uns diesbezüglich nie informiert», sagt etwa Schulleiter Christian Gantenbein aus Dottikon AG. «Wir haben in einem Rundschreiben an die ­Schulbehörden und im ‹Schulblatt› auf die Liste hinge­wiesen», so Sascha Katja Giger vom Departement Bildung, Kul­tur und Sport des Kantons Aargau.

Basel-Stadt vertraut eher dem kantonseigenen Evaluationsverfahren. «Wir achten auf einen lückenlosen Lebenslauf und bestehen auf plausiblen Begründungen für mögliche Lücken. Ausserdem verbieten die Richtlinien das Ausstellen von geschönten Arbeitszeugnissen. Das scheint uns wirksamer als eine Liste», sagt Hans Georg Signer, Leiter Bildung im Erziehungsdepartement von Basel-Stadt.

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