Die Kartons mit den Antworten auf die Beobachter-Umfrage stapeln sich: Schon wenige Tage nach Erscheinen der Beobachter-Ausgabe 1 des Jahres 2011 war klar, dass die Rücklaufquote sämtliche Schätzungen und Hoffnungen übertreffen würde. Verschickt wurden über 300'000 Fragebögen. Mit einem Rücklauf von rund 17 Prozent haben die Leserinnen und Leser gezeigt, dass ihnen die vom Beobachter aufgeworfenen Fragen am Herzen liegen. Nicht nur aus der Schweiz, auch aus Ländern wie Spanien, Kanada oder Neuseeland sandten sie ausgefüllte Fragebögen zurück. Diese landen zuerst in Hergiswil, wo die GfK, das grösste Meinungsforschungsinstitut der Schweiz, die Daten im Auftrag der Firma Konso erfasst, einer Tochter der CBC.

Beschädigt, zerrissen, verklebt

Der interne Postdienst, der glücklicherweise über einen Gabelstapler verfügt, brachte jeden Tag neue Kisten. Bei Einsendeschluss waren es an die 50'000 Kuverts. Diese wurden geöffnet, der Fragebogen wurde geschnitten, glattgestrichen und von Heftklammern befreit, dann kam der Scanner zum Einsatz. Kodak 3520 heisst die Maschine, die aussieht wie ein etwas zu gross geratener Fotokopierer. 80 A4-Seiten pro Minute kann sie maximal scannen, von den Beobachter-Fragebögen schafft sie in zehn Minuten rund 100 Stück. Die ausgeklügelte Software liest dabei die Fragebögen nicht nur ein, sondern erfasst auch gleich die Daten.

Allerdings kann es vorkommen, dass der Scanner nicht weiterweiss. Sind die Briefe beschädigt, zerrissen, verklebt, geheftet oder zerknittert, quittiert er seinen Dienst. Auch fotokopierte Fragebögen können nicht gelesen werden, weil ihre Druckstärke von derjenigen des Originals abweicht, auf die die Software eingestellt ist. Manche Leserinnen und Leser haben auch die klein gedruckte Laufnummer von Hand durchgestrichen – vermutlich in der Annahme, man könne sie aufgrund dieser sechs Ziffern identifizieren (was nicht der Fall ist). Auf 100 Exemplare kommen zwei, drei, die aus einem dieser Gründe nicht ausgewertet werden können.

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Nach dem Einlesen fragt das Computerprogramm manchmal noch nach: Ist diese winzig gedruckte Zahl eine 5 oder eine 8? Ist diese 7, die über das Kästchen hinausragt, vielleicht gar eine 1? Hier hilft GfK-Mitarbeiterin Brigitte Odermatt dem Computer weiter. Den Menschen, der in solchen Situationen die Zahlen verifiziert, braucht es also trotz aller Technik noch immer.

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Was der Computer nun aus Fragebogen plus Bestätigungen der Rückfragen ermittelt, wird als sogenannter Rohdatensatz an Barbara Wehrle von Konso, dem Institut für Konsumenten- und Sozialanalysen, weitergegeben. Sie wertet die Ergebnisse aus. «Tendenziell sind jene Leserinnen und Leser, die den Fragebogen ausgefüllt haben, Leute, die politisch interessiert sind, sich an öffentlichen Diskussionen und auch an Wahlen oder Abstimmungen beteiligen», sagt sie.

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Schwieriger als bei den Kreuzchen ist die Sache mit der letzten Frage, derjenigen nach eigenen Bemerkungen. In der Fachsprache eine «offene Frage», die jemand lesen und codieren muss, damit sie ausgewertet werden kann. Ein Drittel aller Teilnehmenden hat einen handschriftlichen Kommentar angebracht. Die meisten dieser Rückmeldungen betreffen die Schweizer Politik, die Energie- und die Migrationsthematik. Dabei gehen die Meinungen der Leserschaft zum Teil deutlich auseinander.

Was sagen Beobachter-Leserinnen und -Leser zur Erbschaftssteuer und zur Harmonisierung der Schulen? Erfahren Sie mehr Ergebnisse der grossen Beobachter-Umfrage ab dem 31. März 2011 hier auf beobachter.ch.