Das vergangene Jahr war kein gutes für Daniel Huber, den Präsidenten der Radgenossenschaft der Landstrasse. Er geriet in die Schlagzeilen, weil er sich kräftig aus der Kasse der Jenischen-Organisation bedient haben soll. Drei Strafanzeigen hat die ehemalige Geschäftsführerin Sandra Bosshard gegen ihn eingereicht. Das neue Jahr bringt jetzt noch mehr Ungemach: Am 12. Januar verschickte Bosshard eine Klage. Sie verlangt Lohn- und Spesenzahlungen von über 16'000 Franken, die die Radgenossenschaft ihr noch schulde. Bosshard wurde von Huber im letzten Juli per Whatsapp-Nachricht freigestellt, nachdem sie wegen seiner Geldbezüge und des drohenden Bankrotts der Radgenossenschaft seinen Rücktritt gefordert hatte. Huber drehte den Spiess um und behauptete in diversen Medien, nicht er, sondern Bosshard habe sich bereichert und sei für die finanzielle Misere der Radgenossenschaft verantwortlich. Daraufhin reichte Bosshard Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Verleumdung und Urkundenfälschung ein. Die Zürcher Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob es zu einer Anklage kommt.
 
Mit einer Lohnklage hatte Bosshard laut eigenen Angaben vorerst gezögert, weil sie davon ausgegangen sei, dass die Radgenossenschaft pleite ist. Jetzt steht fest: Dem ist nicht so. Das Bundesamt für Kultur (BAK), das die Radgenossenschaft bisher mit jährlich rund 250'000 Franken unterstützte, hat für das erste Quartal 2015 einen Vorschuss zugesichert, bis die künftige Art der Förderung der Jenischen neu geregelt ist. Pikant: Noch im September hatte das BAK weitere Zahlungen klar davon abhängig gemacht, dass Huber zurücktritt. Das tat dieser nicht – Geld fliesst nun trotzdem, wie David Vitali vom BAK bestätigt. «Wir stehen in Gesprächen mit der Radgenossenschaft und weiteren möglichen Partnern über einen künftigen Leistungsauftrag. Das braucht Zeit. Damit die Radgenossenschaft ihre Infrastruktur aufrechterhalten kann, leisten wir nun einen befristeten Beitrag.»
 
Sandra Bosshard kann dieses Vorgehen nicht nachvollziehen. «Für mich ist klar, dass ich jetzt möglichst schnell meinen Lohn einfordern muss – bevor wieder alles Geld weg ist.»

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