Was war bloss mit Ihnen los, Serena Williams? Am Halbfinal im US Open in New York zeigten Sie sich von Ihrer unvorteilhaften Seite. Nach einem verlorenen Punkt zertrümmerten Sie Ihren Tennisschläger. Als kurz darauf die Linienrichterin einen Fussfehler anzeigte, sind Ihnen die Sicherungen völlig durchgebrannt. Ausser sich vor Wut, fuchtelten Sie mit Ihrem Schläger vor der Frau herum, deckten sie lautstark mit üblen Schimpftiraden ein und sollen sie gar bedroht haben. Die Folge: ein Strafpunkt, der zugleich der Matchball Ihrer Gegnerin war – der Halbfinal war verloren.

Nach dem Match mochten Sie sich vor den Medien nicht mehr so recht daran erinnern, dass Sie die komplett eingeschüchterte Frau mit der Ankündigung in die Flucht geschlagen haben, ihr einen Tennisball in den Hals stopfen zu wollen. Es sei Ihnen etwas herausgerutscht, probierten Sie sich zu entschuldigen und versprachen: «Ich versuche, es nächstes Mal besser zu machen.»

Tun Sie das. Zum Beispiel indem Sie langsam bis drei zählen, wenn Sie das nächste Mal Wut in sich hochsteigen spüren. Gehen Sie ein paar Schritte (von der Linienrichterin weg!), trinken Sie einen Schluck Wasser (oder ein ganzes Glas) und setzen Sie ein Lächeln auf. Das wirkt entspannend, und Sie gewinnen etwas Zeit, in der die Wut abflachen kann. Und: Reden Sie über Ihre Gefühle. Zum Beispiel mit John McEnroe, Joe Cocker, Naomi Campbell, Bette Midler oder anderen leicht cholerischen Menschen. Oft bekommen Betroffene ihr Problem in den Griff, wenn sie sich mit Gleichgesinnten austauschen.

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Vorsicht in der Schweiz

Und wenn Sie je wieder in der Schweiz spielen möchten, dann vergessen Sie nicht, dass Sie bei uns strafrechtlich verfolgt werden können, wenn Sie jemanden mit einer Äusserung oder Geste in Angst oder Schrecken versetzen. Dazu müssen Sie nicht mal besonders skrupellos vorgehen. Hier kann schon vor dem Richter enden, wer einem anderen mit dem Beobachter droht. Also: Obacht!

Ihre Gabriela Baumgartner