Das Schöne am Fliegen ist ja, dass man sich näher kommt. Die Economy-Class ist wie ein riesiges Blind Date, man trifft wildfremde, interessante Leute. Und kaum hat man sich einige Sekunden lang gesehen, zieht man auch schon zusammen, teilt für eine gefühlte Ewigkeit eine WG von gefühlten 0,3 Quadratmetern Grösse.

Und ausziehen kann und will keiner. Deshalb bleibt nichts übrig, als sich zu arrangieren mit den verschiedenen Sitznachbarn im Flieger. Als da wären zum Beispiel…

  1. …der Schwätzer

    «Und Sie, fliegen Sie auch nach Kreta?» – «Ja, offensichtlich, sonst würde ich nicht hier sitzen…» – «Kreta! Grossartig! Diese Strände! Und die Kultur! Und die Calamares! Übrigens, wussten Sie (zwinkert verschwörerisch), dass die meisten Stewards schwul sind?»

  2. …der Trinker

    Er hat schliesslich für den Flug bezahlt, drum will er jetzt auch ordentlich sauren Wein in sich reinschütten. Dazu bestellt er ungeniert immer wieder die Saftschubse ähhh... Flugbegleiterin. Im weiteren Verlauf des Fluges wird er dann mit Vorliebe zum Schwätzer, Schwitzer, Rülpser oder Schnarcher.

  3. …der mit dem Hund fliegt

    «Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, einen Hund neben sich zu haben. Aber ohne den Whisky mache ich einfach keine Reise. So, jetzt aber Ruhe, Whisky! Aber keine Sorge, er ist ein ganz Lieber, er beisst nicht und ist geimpft. Pfui, Whisky, das ist nicht dein Essen, das gehört dem netten Herrn da!»

  4. …der Sich-ganz-selbstverständlich-ausgiebig-in-die-von-der-Airline-zur-­Verfügung-gestellte-Decke-Schneuzer

    Ja, den hatte ich tatsächlich auch schon.

  5. …der Unterbelichtete

    «Also das ist ja unglaublich! Jetzt flieg ich extra nach Texas zu einem Barbecue-Contest, und dann nehmen die mir am Zoll meine Messer weg? Wie soll ich denn jetzt das Fleisch sauber schneiden?» – «Wo hatten Sie denn Ihre Messer?» – «Im Handgepäck natürlich! Die sind teuer und spezialgeschliffen, ich will nicht, dass ihnen etwas passiert! Jetzt haben die mir die tatsächlich weggenommen!»

  6. …der Furzer

    Wir wollen nicht hinterfragen, warum Darmgase aus ihm entweichen. Aber sie tun es. Die Nachbarn fächeln sich mit Duty-free-Broschüren Luft zu und schauen sich gegenseitig böse an. Aber der Schuldige ist nicht eindeutig auszumachen – geistesgegenwärtig wedelt er routiniert mit der Kotztüte.

  7. …der Armlehnen-Hitler

    Er sucht ständig neuen Lebensraum im Osten. Auf meine Kosten. Dazu rückt er strategisch geschickt abwechselnd seine Ellbogen-Division und seine schnelle Knie-Eingreif­truppe vor. Man wünscht ihm ein baldiges Stalingrad. Doch leider fliegen wir nach Malle.