Wintertextilien einzukaufen macht derzeit Sinn: Sie hemmen den Abfluss von Wärme und halten damit meine Körpertemperatur konstant bei 37 Grad Celsius. Sänke sie ab, droht eine Verkühlung, die tödlich enden könnte.

Gegen den Einkauf spricht mein Schrank zu Hause: Die Anzahl der darin aufgehängten Hosen und Jacken ist immens. Meine Vorfahren – Weber im Zürcher Oberland und Bauern im Toggenburg – dürften in ihrem ganzen Leben nie so viele Kleidungsstücke getragen haben. Meine Frau sieht die Sache allerdings etwas anders: Das sei nun wirklich das absolute Minimum an Kleidern, und ich könnte schon etwas mehr darauf achten, «eine Falle zu machen».

Diesem stichhaltigen Argument folgend, begebe ich mich zwecks Shopping in Zürichs City. Ich brauche eine Hose, warm, schwarz und mit einem Knopf an der Gesässtasche versehen, damit mir niemand den Geldbeutel klaut. Bald darauf stehe ich in einem modernen Geschäft vor dem Gestell, an dem Hosen hängen wie an einem Karussell. Welche soll ich nun nehmen, hässliche Hosen gibt es ja kaum? «Die Grösse?», flötet eine gut gekleidete Dame von hinten. Ja, wie soll ich die denn wissen? Meine Frau kennt sie, und von diesem Moment an sprechen hauptsächlich die Damen miteinander. Mir aber obliegt es, Hosen zu probieren. Doch entweder sind sie als Folge meiner Kurzbeinigkeit zu lang, oder sie fallen schlecht im Bereich meines Pos. Unter rund 157 Hosen – das ist freilich nur eine Schätzung – findet sich keine, die mir passt.

Im nächsten Geschäft begrüsst mich ein flotter junger Mann. «Ich möchte ein Beinkleid», sage ich, was bei ihm eine gewisse Verwirrung auslöst. Doch er fasst sich und «nimmt» mir den Bund, das heisst, er misst meinen Bauch. Der Mann entpuppt sich als sehr tüchtig. Die erste Hose, die er bringt, entspricht meinem Anforderungsprofil vollkommen. Doch er verbündet sich mit meiner Frau, und beide insistieren, dass ich noch zwei weitere Hosen probiere. Am Ende kaufe ich doch nur eine.

Anzeige

Der Verkäufer aber fragt, ob ich noch etwas brauche, einen Pullover oder «ä Hömmli», denn er ist ein Basler. Ich vernehme, dass ich beides brauche. Die «Hömmli» sind kariert oder gestreift – so wie man sie heute trage. Doch wir streben erst den Pullovern zu. Auf vielseitigen Wunsch probiere ich einige, äussere mich auch dazu, und schliesslich kaufe ich einen. Von den «Hömmli» spricht niemand mehr.

Eigenartigerweise findet sich in meinem Schrank noch etwas Raum für beide Kleidungsstücke. Und plötzlich befällt mich die Erkenntnis, dass ich beide Kleidungsstücke wirklich dringend brauche. Ich will mich nämlich fotografieren lassen. Denn ich habe ja in der Redaktion die Aufgabe gefasst, dieses Tagebuch zu schreiben. Das bisher verwendete Foto ist nicht mehr jüngsten Datums. Ich trage da ein gelbes T-Shirt, das ziemlich sommerlich und schon recht verzogen ist.

Anzeige

Doch bei meinen Redaktionsgenossinnen und -genossen ernte ich nur mitleidige Blicke. Das Foto brauche es zumindest für diese Rubrik nicht mehr, denn das Tagebuch, das ich schreibe, sei das letzte, das im Beobachter veröffentlicht werde. Nächstes Jahr würden an dieser Stelle andere amüsante Geschichten erscheinen.

Habe ich mich nun dafür in zwei Kleidergeschäfte begeben?