Ob ich klare Ziele im Leben habe? Heute schon, aber das musste ich erst lernen. Nach der Schule machte ich eine Lehre als Fotofachangestellter und arbeitete später bei einem Discounter, aber eigentlich fühlte ich mich als verkannter Philosoph. Erst mit 30 entschloss ich mich zu einem Studium; ich wollte endlich mein wirkliches Potenzial abrufen.

Die Fachwahl - Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften - geschah aus reinem Interesse, ohne konkrete Vorstellungen davon, in welchen Beruf mich dies führen würde. Diesen Frühling schloss ich mit dem Bachelor ab. Um die Alimente für meinen Sohn aufzubringen, habe ich die ganze Zeit nebenher gearbeitet. Zeit, um Erfahrungen in einem studiennahen Bereich zu sammeln, blieb da nicht. So verliess ich als 35-Jähriger die Hochschule mit viel Theorie, aber ohne Praxis. Ich meldete mich beim RAV an.

Doch ich hatte Glück. Man vermittelte mir ein Berufspraktikum in einer PR-Agentur in Luzern, wo ich heute Kommunikationsprojekte betreue. Damit habe ich meine berufliche Identität gefunden - das ist es, was ich machen will! In ein bis zwei Jahren, das ist meine Vision, habe ich dann, was in jedem Stelleninserat verlangt wird: praktische Erfahrung plus Hochschulabschluss.

Der Wunsch nach einer Festanstellung



Weil es sich beim aktuellen Job um eine arbeitsmarktliche Massnahme handelt, ist die Bezahlung okay. Ich bekomme brutto 3'800 Franken, mehr als das Doppelte als bei Praktika im PR-Bereich üblich. Damit komme ich über die Runden. Ich sehe mich in einer Übergangsphase zum Berufseinstieg und bin gewissermassen dabei, mein Lehrgeld zu bezahlen. Für mich geht das in Ordnung.

Mein Wunsch ist es, in absehbarer Zeit eine Festanstellung zu finden. Falls das nicht klappt, würde ich dann schon langsam unruhig - in meinem Alter! Ich würde wohl zurück an die Uni, wo ich immer noch eingeschrieben bin, um den Master zu machen. Ob ich mir das leisten könnte, steht freilich auf einem anderen Blatt.