Der Schaffhauser Aussteiger Anton Schneider (Namen der Betroffenen geändert), der seit Anfang Juni in Valencia wegen Mordverdachts in U-Haft sitzt (siehe Artikel zum Thema), hatte sich mit seinem Bekannten und dem späteren Tötungsopfer Michael Bucher offenbar heillos zerstritten. Diesen Schluss legt eine Mailnachricht nahe, die dem Beobachter aufgrund einer Verwechslung vorliegt. Bucher sandte sie am Abend des 28. Mai «schockiert, enttäuscht und sauer» in die Schweiz – gut 15 Stunden bevor Schüler ihn tot auffanden.

Im April hatte Bucher seinen alten Bekannten Anton Schneider in Valencia aufgesucht, nachdem das Schweizer Fernsehen im Februar einen Dokumentarfilm über den 2006 aus einer psychiatrischen Klinik entflohenen Aussteiger ausgestrahlt hatte. Das Zusammenleben mit Sonderling Schneider muss jedoch schwierig gewesen sein. «Er hat mich ausgenommen und hat alles jeden Morgen, wenn ich schlief, durchsucht und Brauchbares geklaut und versteckt oder verkauft», schreibt Bucher in seiner letzten Nachricht. Er äussert zudem den Verdacht, Schneider spiele der Welt mit seinem Aussteigerleben etwas vor: «Ich denke, er rodet und grümpelt extra, um die Journalisten, die irgendwann wiederkommen, zu beeindrucken.» Einige Zeilen später schreibt das nachmalige Opfer: «Er merkt jetzt, dass ich (...) alles plötzlich durchschaue. Jetzt hat er Angst und will mich schnell loswerden.»

Opfer stand kurz vor Abreise

Michael Bucher berichtet von den Versuchen Schneiders, ihm das Leben schwerzumachen, konstatiert, Schneider sei ein «Dieb und Menschenhasser» geworden. Der Aussteiger habe ihm gesagt, «ich müsse jetzt so schnell wie möglich verreisen». Das hatte Bucher auch vor. Am Schluss der Nachricht schrieb er am Vorabend seines gewaltsamen Todes: «Ich warte jetzt nur noch auf mein Geld, um zu verschwinden.»