Beobachter: Die Pläne für Hunderte von Ferienwohnungen und Hotelzimmern mitten in den Urner Bergen konkretisieren sich - und der sonst so kämpferische Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) gibt sich handzahm.
Martin Pestalozzi: Das ist Ihre Wahrnehmung. Unsere grundsätzliche Skepsis gegenüber solchen Tourismusprojekten ist unverändert. Auch in Andermatt gibt es raumplanerische Sünden. Dagegen hat der VCS jedoch kein Verbandsbeschwerderecht.

Beobachter: Haben die Umweltverbände genug getan?
Pestalozzi: Wir haben für die Umwelt einiges erreicht. Nicht alles kann direkt mit dem Projekt verbunden werden. Auch Kanton, Gemeinde und die Bahnunternehmen sind gefordert. In der jetzigen Phase der Nutzungsplanung können wir nur die Grundlagen schaffen.

Beobachter: Und? Was haben Sie erreicht?
Pestalozzi: Wir konnten substantielle Anliegen einbringen, etwa die Reduktion der Parkplatzzahl, Anforderungen an die Parkplatzbewirtschaftung und ans Ortsbusnetz. Sawiris gehört zu den Cleveren seiner Gilde. Er ist kein Betonkopf. Er ist bereit, Umweltanliegen aufzunehmen, und hat zusammen mit dem Kanton die Umweltverbände früh einbezogen. Uri setzt Leitplanken und erfüllt nicht bloss alle Forderungen des Investors. Wenn Behörden und Investoren korrekt arbeiten, braucht es keine Einsprachen der Umweltverbände.

Beobachter: Auch wenns harmonisch ist: Sawiris’ Resort wird eine Verkehrslawine auslösen.
Pestalozzi: Erwartet werden täglich 2900 zusätzliche Autofahrten. Die Zahl resultiert aus einer Summe von Annahmen, scheint aber plausibel. In diesem ländlichen Raum und bei der prekären Verkehrssituation am Gotthard ist das sehr viel. Ein ganzes Bündel von Massnahmen ist nötig. Bezogen auf die Grösse des Projekts ist die Fahrtenzahl jedoch zu relativieren: Sie entspricht dem Verkehr, den zwei Aldi-Filialen auslösen.

Beobachter: Man rechne damit, dass viele Besucher den öffentlichen Verkehr nutzen würden, sagen die Promotoren leichthin...
Pestalozzi: Von allein geschieht das sicher nicht. Heute liegt der ÖV-Anteil im Regionalverkehr Andermatt bei 10 bis 20 Prozent. Das Ziel ist, diesen Wert erheblich zu verbessern. Das bedingt einen attraktiveren Fahrplan auf der Schöllenenstrecke, die Sanierung des Bahnhofs Göschenen und den Erhalt der Gotthard-Bergstrecke der SBB. Bereits zugesichert ist ferner, dass die Parkplatzbewirtschaftung lenkungswirksam erfolgt und durch Gebühren einen Anreiz zum Umsteigen schafft.

Beobachter: Und wenn die Prognosen falsch sind?
Pestalozzi: Dann muss die Urner Regierung weitere Massnahmen anordnen. Das ist so festgeschrieben. Aber es ist klar: Der Tatbeweis muss erst noch erbracht werden. Der VCS wird dies kritisch verfolgen.

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