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Video-Talk«Die Kesb ist doch keine Stasi-Behörde!»

Bild: Beobachter

Im Video-Talk auf Facebook hat Beobachter-Experte Walter Noser Leserfragen zur Kesb beantwortet. Hier finden Sie eine Auswahl seiner Antworten.

von Beobachter Redaktionaktualisiert am 2017 M04 21

Den Video-Talk zur Kesb können Sie hier in voller Länge nochmals anschauen:

Im Live-Talk auf Facebook hat Beobachter-Experte Walter Noser Fragen zur Kesb beantwortet: Was ist die Aufgabe dieser Behörde? In welchen Fällen wird die Kesb aktiv? Und wie geht man bei einer Gefährdungsmeldung vor?

 

Frage: Die Kritik an der Kesb ist gross. Woran könnte das liegen?
Antwort von Walter Noser: Ich verstehe den Ärger der Leute, denn: wer hat schon gerne mit einer Behörde zu tun? Bei der Kesb ist ausserdem speziell, dass sie sich meistens ungefragt einschaltet und plötzlich mitredet. In meiner täglichen Arbeit, im Beratungszentrum des Beobachters, merke ich, dass viele Vorurteile da sind. Wenn ich den Leuten erkläre, warum es die Kesb gibt, was ihre Aufgabe ist und dass sie die Nachfolgeorganisation der Vormundschaftsbehörde ist, dann stösst das oft auf Verständnis. Weil es die Kesb erst seit gut 4 Jahren gibt, braucht es wohl noch ziemlich viel Aufklärungsarbeit.

 

Frage: Die Kesb greift allerdings massiv in die persönliche Freiheit ein. Zum Beispiel, wenn sie entscheidet, dass ein Kind nicht mehr bei seiner Mutter leben darf…
Antwort von Walter Noser: Richtig. Aber das ist nun einmal die Aufgabe der Kesb. Sie wird von Gesetzes wegen aktiv, wenn das Kindswohl gefährdet ist. Und bei Erwachsenen wird sie aktiv, wenn jemand einen Schwächezustand hat und hilfsbedürftig ist. Das heisst: Jemand leidet an psychischen Problemen und ist nicht mehr fähig, alltägliche Sachen selbständig zu erledigen.

 

Frage von Sara P.: Wo ist das Kindswohl rechtlich definiert? Oder interpretiert es die Kesb nach eigenem Gutdünken?
Antwort von Walter Noser: Es gibt keine allgemeingültige Definition von Kindswohl. Das definieren alle anders. Die Eltern sehen das anders als das Kind und die Behörden definieren es nochmals anders als die Eltern. Das Kindswohl ist – vereinfacht gesagt – dann gewährleistet, wenn sich das Kind psychisch, physisch, gefühlsmässig, geistig, sozial und kulturell entwickeln kann.

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Frage von Valentina B.: Ein Kind, das häufig mit meinem Sohn spielt, wird deutlich vernachlässigt von den Eltern. Der Schule ist das bekannt, den Nachbarn auch, aber es unternimmt niemand was. Ich habe vor ein paar Monaten beim Sozialamt angerufen und das gemeldet. Sie meinten, sie würden das weiterleiten, leider ist bis heute nichts passiert. Soll ich das bei der Kesb melden?
Antwort von Walter Noser: Ja, das können Sie tun. Teilen Sie der Kesb Ihre Beobachtungen mit und geben Sie Ihrer Sorge Ausdruck. Aber bevor Sie das tun, sollten Sie mit den Eltern reden.

 

Frage von Sandra R.: Es ist doch so, dass jeder jeden bei der Kesb denunzieren kann und schon steckt man in der «Zwickmühle».
Antwort von Walter Noser: Das lässt sich so nicht behaupten. Klar ist, dass besorgte Nachbarn oder Angehörige bei der Kesb eine Meldung einreichen können. Doch wenn die Betroffenen nichts zu befürchten haben, wenn also alles in Ordnung ist, dann kommt die Kesb vorbei und geht wieder. Die Behörde wird in Wahrheit nur aktiv, wenn tatsächlich etwas schief läuft.

 

Frage von Myrta G.: Die Kesb mischt sich in Familensachen ein, die Familien selber lösen könnten! Wieso tut sie das?
Antwort von Walter Noser: Wenn die Familie ein Problem selber lösen kann, dann schaltet sich die Kesb ganz bestimmt nicht ein. Als Beobachter-Abonnentin dürfen Sie mich gerne kontaktieren, dann besprechen wir Ihren Fall. 043 444 54 08, von Montag bis Freitag zwischen 9 und 13 Uhr.

 

Frage von Celina T.: Die Kesb ist eine Katastrophe, eine Stasi-Behörde. Man sollte sie abschaffen!
Antwort von Walter Noser: Das sind krasse Vorwürfe. Haben Sie in der DDR gelebt? Dieser Vergleich ist undifferenziert. Wenn schon, dann müsste man über einen konkreten Fall diskutieren. Abschaffen hingegen kann man die Kesb schon. Allerdings stellt sich dann die Frage, was dann kommt. Denn die Probleme bleiben. Es gibt nunmal Menschen, die Probleme haben im Leben und Hilfe sowie Unterstützung brauchen. Wer soll sich um diese Menschen kümmern, wenn es selbst die nächsten Angehörigen nicht tun? Das vergessen viele Kritiker.

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