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Video-Talk«Es ist egal, wo die Hände sind»

«Es ist egal, wo die Hände sind»
«Blackouts passieren nur, wenn man auch Angst davor hat.» – Patrick Rohr spricht im Live-Talk über gelungene und misslungene Reden. Bild: Screenshot

Wann ist ein Vortrag ein guter Vortrag? Wie vermeide ich Nervosität? Und wohin sollen meine Hände? Tipps und Tricks von Kommunikationsexperte Patrick Rohr.

von Beobachter Onlineaktualisiert am 2017 M05 18

Frage: Es ist eine Binsenweisheit – der erste Eindruck zählt. Habe ich es vergeigt, wenn ich bei einer Präsentation den Einstieg verpatze?
Antwort von Patrick Rohr: Menschen sind da ziemlich gnadenlos. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Bar und eine fremde Person spricht Sie an. Sie entscheiden innert Sekundenbruchteilen, ob Sie mit diesem Menschen ein Bier trinken wollen oder nicht. Das gilt auch bei Referaten und Vorträgen: Wenn man den Einstieg verpatzt, dann dauert es relativ lange, um wieder in Fahrt zu kommen. Wirkt jemand auf den ersten Blick arrogant, dann braucht es lange, bis dieser Eindruck weg ist. Demgegenüber dauert es aber auch lange, bis ein guter erster Eindruck ruiniert ist.

Frage: Worauf achtet das Publikum beim Redner?
Patrick Rohr: Wenn die Person auf der Bühne authentisch ist, wenn sie also redet und keine Faxen macht, dann gibt es keine Ablenkung und das Publikum hört zu. Erst wenn der Redner etwas Unnatürliches macht – wenn er beispielsweise aufs Mikrofon tippt, um es zu testen – dann ist das Publikum irritiert. Viele Menschen haben ja Angst davor, sich vor Publikum zu blamieren. Dabei passieren solche Aussetzer gerade dann, wenn man tatsächlich Angst davor hat. Wenn man auf der Strasse unterwegs ist, macht man sich ja auch keine Gedanken, wie man auf die Leute rundherum wirkt.

Frage: Wohin gehören eigentlich meine Hände?
Patrick Rohr: Ganz einfach: es ist egal. Lassen Sie die Hände einfach machen. Es ist ein falscher, ja sogar dummer Gedanke, wenn Sie sich fragen, was Sie mit den Händen tun sollen. Authentisch ist, wer sich auf die Rede konzentriert und einfach sich selbst ist.

Frage: Die Rede auswendig lernen oder ablesen – was ist besser?
Patrick Rohr: Natürlich hängt das von den individuellen Fähigkeiten ab. Nicht jeder fühlt sich dabei wohl, frei zu sprechen. Grundsätzlich aber ist es besser, ohne Manuskript zu arbeiten. denn das wirkt authentischer und natürlicher. Wenn ich jemandem zuhöre, der seine Rede abliest, dann frage ich mich schon, wieso mir derjenige seine Rede nicht einfach per Post schickt. Dann kann ich sie selber lesen (lacht). Aber klar, eine freie Rede ist nicht jedem gegeben – und sie bedingt eine äusserst gute Vorbereitung.

Den kompletten Video-Talk mit Patrick Rohr können Sie hier in voller Länge anschauen: