Das ist volksnahe Demokratie: «In den Bundesrat sind alle Stimmberechtigten wählbar.» Also auch Sie und ich. So stehts in unserer Bundesverfassung. Und siehe da: Jedes Mal bewerben sich 10 bis 20 Leute aus dem Volk für das hohe Amt. Auch der Chauffeur von nebenan, die Lehrerin, der Metzger. Vor vier Jahren probierte es etwa der Kabarettist Patrick Frey. Wieso auch nicht? Wäre revolutionär, mal ein Kabarettist oder ein richtiger Metzger als Bundesrat. Und: Adolf Ogi hats auch geschafft.

Was aber passiert mit der Bewerbung? Sie wird von einem Angestellten der Parlamentsdienste verdankt: «Wir bestätigen den Erhalt Ihrer Bewerbung. Das Parlament wird über Ihre Kandidatur in Kenntnis gesetzt.» Und dann legt er den Brief in ein Mäppli. Dieses Mäppli wird sich Generalsekretärin Mariangela Wallimann-Bornatico am 12. Dezember unter den Arm klemmen und so in den Ratssaal marschieren.

Nationalrat André Bugnon, dannzumal Präsident des Nationalrats und höchster Schweizer, wird sagen: «Ferner haben verschiedene einzelne Bürgerinnen und Bürger ihre eigene Kandidatur angemeldet. Die Unterlagen dazu können hier im Saal bei der Generalsekretärin eingesehen werden.» Rund ein Dutzend Parlamentarier werden im Mäppli wühlen. Doch die Lehrerin, der Metzger und der Chauffeur werden null Stimmen machen. Sie erhalten ihre Bewerbungen fein säuberlich retourniert. Volksnahe Demokratie? Lassen wir uns nicht zu viel vormachen. Auch von der Bundesverfassung nicht.