Das kleine Grundstück in Riedbach, am Stadtrand von Bern, liegt eigentlich schön. Eigentlich. Die Familie Muhmenthaler pflanzte früher vor dem Haus Salat an oder grillierte an schönen Sommerabenden auf der Rasenfläche. Doch das ist Jahre her. Seit die über 100-jährige Wasserleitung der Stadt Bern, die unter ihrem Keller hindurchverläuft, vor sieben Jahren kaputtging und Wasser in den Keller eindrang, haben Muhmenthalers nur noch eines: Ärger.

In einem nicht enden wollenden Pingpong beschweren sich Sonja und René Muhmenthaler seither bei der Stadt Bern über die ungelöste Situation als Folge der defekten Leitung. Die Stadt Bern ihrerseits wiegelt ab, beschwichtigt und schiebt den Ball an die Hauseigentümer zurück. Immer neue Angestellte des städtischen Tiefbauamts besichtigten in den letzten Jahren das Grundstück. Die Folge: Entweder passierte gar nichts, oder die Situation wurde noch schlimmer.
Im Herbst 2004 keimte bei Muhmenthalers noch Hoffnung auf: Sie trafen mit Bern eine Vereinbarung. Die Stadt schlug vor, die Quellfassung im Garten herauszureissen und die Leitung zum Haus zu verschliessen. Ein halbes Jahr später wurde die Brunnstube auch tatsächlich ausgegraben und wurden die bestehenden Leitungen entfernt oder verschlossen.

Abklärungen verlaufen im Sand

Doch mit dem feuchten Keller war es nicht vorbei. Offensichtlich suchte sich das Wasser, das bisher im Garten gefasst und abgeleitet wurde, neue Wege. Vor zwei Jahren dann liess die Stadt Bern entlang des Gartenzauns sogenannte Baggerschlitze und Sondiergräben ausheben. Das städtische Tiefbauamt wollte abklären, ob entlang der Grundstücksgrenze Wasser eintritt, das möglicherweise zum Haus weiterfliesst.

Bis heute prägen diese langen, 1,5 Meter tiefen, mit Wasser gefüllten Gräben sowie die riesigen Erdhaufen den Garten. Sonja Muhmenthaler sagt inzwischen resigniert: «Wir möchten unseren Garten auch wieder mal benützen können.» Sie fühlen sich nicht ernst genommen und von oben herab behandelt. «Ich glaube, die Stadt will gar nicht wissen, woher das Wasser kommt», sagt Sonja Muhmenthaler.

Die Hausbesitzer vermuten, eine Entwässerungsleitung entlang der Strasse ausserhalb ihrer Grundstücksgrenze sei undicht und führe Wasser auf ihr Land. Denn tatsächlich tritt an der äusseren Ecke des Gartens Wasser ein. Nicht zuletzt nach der Vermittlung von Ombudsmann Mario Flückiger einigte man sich vor einem Jahr darauf, im Garten einen neuen Sickerschacht mit einer Pumpe zu installieren, um das Wasser regulieren zu können. Untersucht werden sollte gleichzeitig auch die alte Leitung unter dem Haus. Doch konkret passiert ist nichts.

Das Tiefbauamt zeigt sich wenig selbstkritisch: «Wir haben mehrfach versucht, zur Lösung des Problems beizutragen», so Fachassistent Dieter Arnold zum Beobachter. Der Grund für die ständigen Verzögerungen liege bei Muhmenthalers. Sie hätten «alle bisher vom Tiefbauamt vorgebrachten Lösungsvorschläge abgelehnt».

«Ich bin etwas erstaunt»

Etwas anders klingt es beim städtischen Ombudsmann Mario Flückiger, zumindest was die wenig speditive Arbeit des Tiefbauamts betrifft. Als sich die Grundstücksbesitzer letzten Winter erneut bei ihm beklagten, schrieb er dem Tiefbauamt: «Ich bin etwas erstaunt, dass die Problematik noch immer besteht.» Auf die Antwort des Tiefbauamts musste der Ombudsmann einen Monat warten, ohne dass er erfuhr, ob nun eine Lösung des Wasserproblems absehbar sei. Dem Beobachter sagt Flückiger: «Keine Frage, dieses Problem dauert schon viel zu lange. Aber es liegt nicht allein an der Verwaltung.»

Wie heisst es doch so schön in der standardisierten E-Mail-Absenderzeile des Tiefbauamts der Stadt Bern: «Bern wirkt Wunder - und das schon weit vor und noch lange nach der Euro 08.»

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Quelle: Annette Boutellier