Direkt-Vertrag mit Swissair: Nur-Flieger
Unzählige Geschäftsreisende oder Individualtouristen kaufen das Ticket direkt bei Swissair. Die Fluggesellschaft ist Vertragspartnerin – das Ticket im Konkurs- oder Betriebsausfall praktisch verloren. Diese ungünstige Rechtslage gilt auch, wenn der Reisende sich das Ticket über ein Reisebüro vermitteln liess, soweit keine weiteren Leistungen wie Unterkunft oder Ueberland-Beförderungen dazukommen («Nur-Flieger»):

  • Der Flugbetrieb und damit die Erfüllung des Vertrags kann durch die Kunden nicht erzwungen werden. Ansprüche auf Schadenersatz sind praktisch aussichtslos.

  • Im Konkursfall wandelt sich die im Ticket «verbriefte» Beförderungsschuld der Swissair in eine Geldforderung um. Diese nimmt Teil an einem allfälligen Konkurs – allerdings im letzten Rang, hinter den Forderungen von Banken als Pfandgläubiger und Arbeitnehmern.

  • Unter Umständen leisten einzelne Reisebüros Unterstützung, indem sie bei Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften behilflich sind. Mit Umbuchungsgebühren ist zu rechnen.

  • Wer unterwegs stecken bleibt, weil ein Rückflug der Swissair annulliert werden musste, soll umgehend mit seiner Reiseannullations- oder Personen-Assistance-Versicherung Kontakt aufnehmen. Möglicherweise übernimmt diese einen Teil der Kosten für das Ticket eines Ersatzflugs (Kulanz oder Allgemeine Versicherungsbedingungen).

  • Der eigentliche Konkurs-Fall ist nicht versichert.

Swissair-Flug als Teil eines Ferien-Arrangements
Günstiger ist die Situation für Pauschalreisende (Flug und Übernachtungen oder Führungen etc.). Denn: Vertragspartner des Pauschaltouristen ist der Reiseveranstalter und nicht die Swissair. Anwendbar ist das Pauschalreisegesetz:

  • Der Veranstalter hat dafür zu sorgen, dass die gebuchte Destination mit einer anderen Fluggesellschaft erreicht wird. Nur bei einer kurz bevorstehenden Ferienreise kann der Kunde gebührenfrei zurücktreten, wenn nicht innert nützlicher Frist ein Ersatzflug organisiert werden kann.

  • Wer nicht völlig auf Ferien verzichten möchte, soll vom Vertrag zurücktreten und gleichzeitig den Anbieter nach anderen Destinationen fragen. Allfällige Mehrkosten hat der Reiseanbieter zu tragen.

  • Eine längere Abreiseverzögerung oder eine Einbusse des Reise-Komforts mit einer anderen Fluggesellschaft führt grundsätzlich zu einer nachträglichen Herabsetzung des Arrangementpreises.

  • Kann unterwegs eine Etappe mit Swissair nicht geflogen werden oder wird der Rückflug annulliert: Sofort das heimische Reisebüro oder dessen Auslandvertretung konsultieren und Unterstützung für einen Ersatzflug anfordern. Die Übernahme von Hotelkosten in solchen Fällen ist umstritten. Kann der Anbieter innert angemessener Frist (z.B. 3 Tage) keinen Ersatzflug finden, darf der Reisende auf eigene Faust buchen und die Mehrkosten dem Veranstalter präsentieren.

  • Wer bei der Buchung nicht ausdrücklich einen Flug mit Swissair verlangt hat, muss sich einen Flug mit einer anderen Gesellschaft gefallen lassen.

  • Nach herrschenden juristischen Meinung kann sich auch auf die (günstigen) Bestimmungen des Pauschalreisegesetzes berufen, wer sich die einzelnen Reiseleistungen aus einem Katalog selber zusammengestellt hat (Baukasten-System).

Allgemein gilt: mit sämtlichen Vertragspartnern sofort in Kontakt treten (Reiseveranstalter, Swissair, evtl. Crossair, Versicherungen).

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Die vorliegenden Ausführungen sind teilweise Gegenstand juristischer Kontroversen. Streitfälle hätten die Gerichte zu entscheiden.