Da wunderte sich selbst der Fachmann: «Gemäss unseren Modellrechnungen hätten die Stickoxide (NOx) seit Einführung der Euro-2-Abgasnormen für Lastwagen im Jahr 1996 deutlich abnehmen müssen», sagt Mario Keller vom Beratungsunternehmen Infras. «Stattdessen stagnierten die Werte.»

Nun scheint der Grund gefunden: Forscher der Technischen Universität Graz fanden heraus, dass Euro-2-Lastwagen auf der Strasse klar mehr NOx ausstossen als auf dem Prüfstand. Die LKW-Hersteller machten sich zunutze, dass beim Typenprüfverfahren gewisse Fahrsituationen – etwa Beschleunigungen – nicht berücksichtigt wurden. «Mit der heutigen Elektronik können Motoren je nach Fahrsituation entweder abgas- oder verbrauchsoptimiert betrieben werden», erklärt Christian Bach von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt. Konkret: Steht der LKW auf dem Prüfstand, stimmen die Abgaswerte; fährt er auf der Strasse, sinkt der Dieselverbrauch, dafür steigen die NOx-Werte. Bach: «Es handelt sich um eine Lücke im Gesetz.»

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Mit der seit 2001 gültigen Euro-3-Norm wurde auch ein neues, optimiertes Testverfahren eingeführt. Vorerst ein schwacher Trost: Noch entsprechen 40 Prozent der Lastwagen auf Schweizer Strassen der Euro-2-Norm.