Der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser hat die Missstände in den Strafanstalten Thorberg so untersuchen lassen, dass er selbst aus dem Schussfeld war. Das geht aus dem Beschwerdeverfahren des Beobachters hervor. Der damalige Thorberg-Chef Georges Caccivio hatte aus einem Gefangenendossier eine Akte entfernen lassen, die peinliche Informationen über ihn ent­hielt. Er musste zugeben, dass er auf dem Drogenstrich verkehrte, mit Gefangenen per Du war und offenbar Geschenke annahm. Der Fall flog auf, Caccivio verlor den Job, und Polizeidirektor Käser leitete eine Untersuchung ein.

Käser wusste nachweislich seit August 2013 detailliert Bescheid über die Missstände im Gefängnis. Doch er wartete fast ein halbes Jahr, bis er ak­tiv wurde. Aus dem Untersuchungsbericht entfernte Käser schliesslich «in grossem Umfang» Befragungsprotokolle (Beobachter Nr. 18). Diese würden, so Käser, die Persönlichkeitsrechte der befragten Personen tangieren. Weil im Kanton Bern amtliche Dokumente öffentlich zugänglich sein müssen, reichte der Beobachter beim Verwaltungs­gericht Beschwerde ein und forderte Einsicht zumindest in die Liste der Befragten.

Der Grosse Rat will Auskunft

Der Polizeidirektor lenkte ein und reichte die Liste nach. Damit wurde klar: Käser hat sich aus der Untersuchung herausgehalten. Er sei Auftraggeber gewesen und damit vom Untersuchungsleiter «nicht förmlich befragt» worden, schrieb er dem Gericht. Somit musste Käser seine Rolle nicht rechtfertigen, obwohl er als Regierungsrat bereits für die Anstellung Caccivios verantwortlich war – die Stelle als Chef des Thorbergs war nicht öffentlich ausgeschrieben worden.

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Nun muss Käser der Aufsichtskommission des Grossen Rats Auskunft erteilen, die sich mit dem Bericht nicht zufriedengibt. Im Zentrum steht die Frage: Warum hat er so lange zugewartet?