«Haben Sie auch schon vor Gericht prozessiert?», fragt ein Abonnent an der Hotline des Beobachter-Beratungszentrums. «Früher habe ich als Anwältin Leute vor Gericht vertreten», antworte ich. «In eigener Sache musste ich zum Glück noch nie dort erscheinen.» – «Warum ‹zum Glück›? Trauen Sie den Richtern auch nicht?», fragt der Mann. «So direkt kann ich das nicht sagen. Aber die Gerichte legen manchmal schon sehr viel Wert auf Formalitäten. Da muss man aufpassen wie ein Häftlimacher, dass man den Prozess nicht verliert. Darum gibt es auch das Sprichwort ‹Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand›.»

Vier Jahre prozessiert

«Wem sagen Sie das!», ruft der Abonnent aus. Vier Jahre habe er gegen einen Nachbarn prozessiert, aber die Richter hätten seine Beweise einfach nicht anerkennen wollen. «Wegen unfähiger Richter habe ich jetzt den Prozess verloren. Sie behaupten, ich hätte formelle Fehler gemacht», klagt der Ratsuchende.

«Am besten nehmen Sie das nächste Mal einen Anwalt», sage ich, «damit keine Fehler passieren.» – «Sind Sie wahnsinnig?!», entrüstet sich der Anrufer. «Gerade musste ich den zehnten Anwalt zum Teufel jagen. Alle unfähig!»