Seit zwei Jahren liegt der St. Galler Alt-Nationalrat und Rechtsanwalt Remigius Kaufmann im Wachkoma. Der einstige CVP-Politiker hatte für einen solchen Schicksalsschlag vorgesorgt und seiner Freundin eine Patientenvollmacht erteilt. Darin verfügte er ausdrücklich, dass diese ihn zur Pflege zu sich nach Hause nehmen könne. Kaufmanns Sohn Remi, Anwalt in der Kanzlei seines Vaters und CVP-Kantonsrat, widersetzt sich aber beharrlich dem klaren Willen des Vaters (siehe Artikel zum Thema «Patientenverfügung: Sein Wille geschehe nicht»).

Kaufmann junior verhinderte mit allen Mitteln die Verlegung seines verheirateten Vaters zu dessen Freundin. Dazu führte er eine umstrittene bezirksärztliche Verfügung ins Feld, die beweisen sollte, dass die von seinem Vater eingesetzte Bevollmächtigte psychisch krank sei. Das Dokument stammt aus einem vertraulichen Anwaltsdossier seines Vaters. Besonders stossend: Vater Kaufmann hatte gegen genau diese Verfügung erfolgreich appelliert. Mehr noch: Kaufmann senior vertraute der psychischen Gesundheit seiner einstigen Mandantin so sehr, dass er ihr später, als sich die beiden persönlich näher gekommen waren, die Patientenvollmacht gab.

Die Freundin des Vaters wehrte sich und zeigte den Sohn wegen Berufsgeheimnisverletzung bei der St. Galler Anwaltskammer an. Sie bekam Recht. Laut Anwaltskammer hat Remi Kaufmann gegen die berufliche Schweigepflicht verstossen.

Das Urteil fiel sehr milde aus: Kaufmann musste nur 1000 Franken Gerichtskosten bezahlen. Selbst das war ihm zu viel, er führte Beschwerde. Diese wurde nun abgewiesen. Offen ist nach wie vor, ob die Patientenvollmacht gilt.

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