Asbest kann tödlich sein – das weiss heute jedes Kind. Kein Grund für Robert Protic, mit seinen Bauarbeitern, einem Mieter und der Umwelt allzu zimperlich umzugehen: Wissentlich setzte der Architekt, Bauherr und Immobilienverwalter in Personalunion beim Umbau eines Mehrfamilienhauses an der St.-Alban-Anlage 33 in Basel die Betroffenen der krebserregenden Faser aus – ohne die nötigen Schutzvorkehrungen zu treffen.

«Herr Protic wusste schon lange um das Asbestproblem in seiner Liegenschaft. Es wurden ihm zusammen mit der Baubewilligung auch entsprechende Auflagen gemacht, auf die er sowohl schriftlich als auch mündlich hingewiesen worden war», hält Manfred Beubler fest, Hauptabteilungsleiter des Amts für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt.

Auch Gaudenz Furler, bis Mitte Jahr einer der Mieter der Liegenschaft, versuchte wiederholt, Protic auf die Asbestgefahr aufmerksam zu machen. Furler ist Chemiker und hatte schon im März Proben des verdächtigen Materials von einem Labor untersuchen lassen. Mit seiner Warnung stiess er beim Architekten allerdings auf taube Ohren.

Stattdessen liess Bauherr Protic seine Arbeiter die asbestverseuchten Isolationsmatten ohne die üblichen Schutzmassnahmen wie Atemmasken, Luftschleusen und Sicherheitscontainer herausreissen. «Das Asbestmaterial wurde einfach aus dem dritten und vierten Stock in den Garten und auch auf das Trottoir vor dem Haus geworfen», erzählt Hans Joerg Fink, der letzte Mohikaner unter den Mietern der St.-Alban-Anlage 33.

Dort lag das verseuchte Abbruchmaterial herum, bis Exmieter Gaudenz Furler Mitte November den Kantonschemiker und Raumlufthygieniker Markus Niederer mobilisierte. Wenige Stunden später hatte Niederers Analyse Gewissheit geschaffen – der Asbestverdacht war erhärtet.

Die Staatsanwaltschaft eingeschaltet
Die Amtsmühlen setzten sich schnell in Bewegung. Am selben Tag noch verfügte das Basler Bauinspektorat einen Baustopp. Auch die Umweltbehörde wurde aktiv: «Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Amt für Umwelt und Energie bei Verfehlungen gegen die Umweltschutzgesetzgebung selber eine Verzeigung beim Haftrichter oder dem zuständigen Gericht machen», sagt Manfred Beubler. «Da hier aber gleich drei Amtsstellen involviert sind, wird der Fall direkt an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.»

Robert Protic, der mit seiner Familie im Basler Nobelviertel Bruderholz in einer denkmalgeschützten Villa mit 2100 Quadratmetern Umschwung wohnt, blockt die Vorwürfe ab: «Ich nehme dazu keine Stellung», liess er den Beobachter wissen.

«So etwas ist bei uns noch nicht vorgekommen», empört sich Manfred Beubler. «Normalerweise werden bei asbestkontaminierten Gebäuden Auflagen bereitwillig eingehalten, da dieses Material für jeden, der damit in Kontakt kommt, ein enormes Gesundheitsrisiko birgt. Herr Protic hat äusserst verantwortungslos gehandelt.»

Ebenfalls Klartext spricht Werner Krummenacher, Leiter des Bauinspektorats Basel-Stadt: Er hofft, «dass es zu einer Bestrafung kommt, sollte der Tatbestand erfüllt sein».


Quelle: Claude Giger

Literaturtipp


Die Broschüre «Asbest im Haus» des Bundesamts für Gesundheit (Artikelnummer 311.380.d) ist kostenlos erhältlich bei: BBL, Vertrieb Publikationen, CH-3003 Bern.

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