Als Schüler half ein Mann 1973 fünf Wochen in einer Firma aus, wo er Platten mit Weichasbest brechen musste. Der Asbeststaub löste 2004 Brustfellkrebs aus, woran der Mann rund drei Jahre darauf starb. Er beziehungsweise seine Frau und Kinder forderten vom Kanton Glarus Schadenersatz – und Genugtuungsleistungen, gemäss Opferhilfegesetz. Behörde und Beschwerdeinstanz lehnten das Gesuch ab: Es fehle an einer Straftat, die Voraussetzung sei für die Ansprüche. Witwe und Kinder gelangten ans Bundesgericht.

Die Sorgfaltspflicht verletzt?

Dieses prüfte zuerst die Verjährung. Während Strafverfolgung und Zivilansprüche gegenüber dem Täter bereits verjährt wären, sei die Geltendmachung von Ansprüchen aus dem Opferhilfegesetz noch möglich. Denn hier kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Straftat an, sondern auf den Eintritt von deren Folgen – also den Tod des Mannes. Laut Bundesgericht liegt sehr wohl eine Straftat vor. Der Schüler hätte laut den damaligen Bestimmungen keine gesundheitsgefährdenden Arbeiten verrichten dürfen. Dass Asbest gefährlich sei, habe man wissen können. Somit habe man die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Jugendlichen verletzt. Es handle sich um fahrlässige Tötung. Die Vorinstanz muss nun das Begehren um Entschädigung und Genug­tuung prüfen. Offen bleibt, wie das Urteil bei einem Erwachsenen ausgefallen wäre.

Bundesgericht, Urteil vom 16. Dezember 2013 (1C_135/2013)