Es war um die Mittagszeit am Ortsausgang von Braunau, als Reinhold Zepf (Bild) durch einen Knall aufgeschreckt wurde. Der Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbands (TTSV) glaubte zuerst an einen Getriebeschaden seines Autos. Dann aber bemerkte er einen kleinen Riss und ein Loch in der Windschutzscheibe. Ein Stein konnte es nicht gewesen sein, da kein Fahrzeug vor ihm unterwegs war.

Zepf schwante Übles. Er rief die Polizei, die einen Kugeleinschlag nicht ausschloss. Von einem Gewehr- oder Pistolenschuss unbekannten Kalibers geht seine Autogarage im Schreiben an die Versicherung aus. Daraufhin erstattete Zepf Strafanzeige gegen unbekannt. «Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber da wird einem schon etwas mulmig», meint er.

Wenn tatsächlich auf Zepf geschossen wurde, wäre dies der traurige Höhepunkt in einer Reihe von Zwischenfällen: «Ein Auto überholte mich, fuhr neben mir her und drängte mich von der Fahrbahn. Der unbekannte Lenker zeigte mir die Faust.» Zepf konnte auf einen Feldweg ausweichen. Schimpftiraden und der «Stinkefinger» sind da noch vergleichsweise harmlose Vorkommnisse.

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Hintergrund der Streitereien: Der TTSV besitzt in Braunau ein Tierasyl. Gegen das Hundegebell liefen die Nachbarn vor Gericht Sturm. Dabei stellte sich heraus, dass für das Tierasyl in der Landwirtschaftszone die Bewilligungen nach Raumplanungsgesetz fehlten.

Der frühere Ortsvorsteher Walter Fröhlich hatte bei den Baubewilligungen die Zügel arg schleifen lassen. Die Versäumnisse von früher ausbaden musste der TTSV, der das Tierasyl Mitte 1998 übernommen hatte. Schliesslich schaute das kantonale Departement für Bau und Umwelt zum Rechten. Das Tierasyl erhielt eine nachträgliche Bewilligung für eine beschränkte Anzahl von Hunden (Beobachter 13/99).

Zepf akzeptierte nach einigem Hin und Her die Einschränkungen, verlangte indes gleich lange Spiesse für alle. Er brachte eine ganze Reihe von Bausünden in der Umgebung des Tierasyls zur Anzeige. Und damit natürlich auch etliche Nachbarn gegen sich auf. «Ich bin in Braunau ein rotes Tuch», findet Zepf. Als die Gemeinde vorerst keine Anstalten machte, den Anzeigen nachzugehen, doppelte der TTSV mit einer Aufsichtsbeschwerde nach.

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Das Baugeschäftdepot ist illegal

Keine angenehme Aufgabe für den Gemeindeammann Jörg Cadisch, der seit 1999 im Amt ist und die Altlasten aufräumen muss: «Einige Bauherren verweisen auf mündliche Zusagen der Behörde oder haben sogar irgendwelche Schreiben, die aber rechtlich ungültig sind. Ich musste die Betroffenen überzeugen, nachträgliche Baugesuche einzureichen.» Da sich die Liegenschaften ums Tierasyl in der Landwirtschaftszone befinden, braucht es für Um- und Ausbauten generell eine Bewilligung durch den Kanton. Zumindest so lange, bis das Kerngebiet in eine so genannte Weilerzone umgezont ist. Dort wäre dann die Gemeinde Bewilligungsbehörde.

Für die laufenden Verfahren kommt die Weilerzone aber sowieso zu spät. Die Baugesuche aus Braunau werden zurzeit vom Raumplanungsamt im Departement für Bau und Umwelt geprüft. Im Fall des Werkhofs eines lokalen Baugeschäfts mit Maschinen und Materiallager hat der Kanton die Bewilligung verweigert.

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Vollstrecken muss den Entscheid die Gemeinde. Für Cadisch ist klar: «Alles, was sich beim Werkhof im Freien befindet, ist zu entfernen. Auch bei anderen nachträglichen Baugesuchen stehen wir mit unseren Entscheiden im Schaufenster.» Denn es gibt keinen Zweifel: «Reinhold Zepf und sein TTSV werden uns genau auf die Finger schauen.»

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