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Betrug?Parapsychologe Mattle verurteilt

Als «Fernheiler» behauptete er, getrennte Paare wieder zusammen zu führen – und als «Geldberater» versprach er hohe Renditen. Nun hat Alberto Mattle ein Gerichtsverfahren am Hals.

Alles nur Schall und Rauch: Der «Fernheiler» Alberto Mattle nahm Aufträge und Geld entgegen – das wars dann auch schon.
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Mehrere Millionen verdiente der Zürcher Fernheiler Alberto Mattle im Lauf der letzten Jahrzehnte als Parapsychologe – einen Bruchteil davon muss er nun abgeben. Das Landgericht München verurteilte den 51-Jährigen wegen Betrugs zu einer bedingten Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Zudem muss er 50'000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung überweisen und zwölf Opfern seiner Fernheilerei total 392'000 Euro zurückzahlen. Das Urteil wurde am 5. August rechtskräftig, erklärte das Münchner Oberlandesgericht auf Anfrage des Beobachters.

Mattle hatte behauptet, er könne allein durch seine mentale Kraft Gutes bewirken. Spezialisiert hatte er sich auf die «Partnerrückführung»: Seine metaphysischen Kräfte könnten ein getrenntes Paar wieder zusammenführen, lobte sich Mattle – selbst dann, wenn der eine Partner gar nichts davon weiss, dass Mattle für die Wiedervereinigung meditiert. Alles Schindluderei, legte einer seiner Bekannten dar: «Sobald ein Auftrag zur Fernheilung eingegangen ist, macht Mattle gar nichts mehr» (Beobachter Nr. 17/2013).

Während in der Schweiz keine erfolgreichen Gerichtsverfahren gegen seine Fernheilerei bekannt sind, warf ihm die Münchner Staatsanwaltschaft vor, sich gezielt an seiner zahlungskräftigen Kundschaft zu bereichern. Zwölf Fälle von verlassenen Männern und Frauen, die dank Mattles Hilfe ihre Partner zurückgewinnen wollten, kamen zur Anklage. Die Opfer hatten ihm je zwischen 10'000 und 83'000 Euro bezahlt. Obwohl sich Mattle einer 90-prozentigen Erfolgsquote rühmt, kehrte keiner der zwölf Partner zurück. Vor Gericht erklärte der Fernheiler laut der «Süddeutschen Zeitung», deutsche Kunden bediene er künftig keine mehr.

Die Bank informierte die Polizei

Wohl in weiser Voraussicht, seine lukra­tive Einnahmequelle könnte versiegen, suchte sich Mattle vor gut einem Jahr ein neues Geschäftsfeld und präsentierte sich als «Geldberater». Allerdings wusste die Bank Sal. Oppenheim, die ihn angeblich in den höchsten Tönen lobte, nichts von einer Beratertätigkeit Mattles. Die Bank informierte die Polizei.Martin Müller

Veröffentlicht am 19. August 2014