Wer als Fahrlehrer oder Fahrlehrerin eine Erfolgsquote von unter 50 Prozent vorweist, gerät neu ins Visier der Strassenverkehrsämter. Dann würden «die erforderlichen Massnahmen» ergriffen, heisst es in einem Schreiben des Chefexperten des Zürcher Strassenverkehrsamts vom Februar. Es liegt dem Beobachter vor. Was das genau bedeutet, bleibt unklar.

Die neue Regelung gilt schweizweit, wie mehrere kantonale Strassenverkehrsämter auf Anfrage des Beobachters bestätigen. Die Mindestquote basiert auf einer Vereinbarung der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (Asa). Sie führen ein internes Quotensystem, das jährlich auswertet, wie viele Prüflinge jeder Fahrlehrer und jede Fahrlehrerin durch die Prüfung bringt.

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«Es liegt wohl daran, dass das Strassenverkehrsamt Zweifel an der Qualität einzelner Fahrlehrer hat.»

Hannes Bader, Präsident Zürcher Fahrlehrerverband

Die Höhe der Quote überrascht. Viele Fahrschulen werben auf Social Media oder ihren Websites mit Erfolgsraten von bis zu 95 Prozent. Überprüfbar sind diese Zahlen nicht. Doch sie sind wohl systematisch zu hoch. Laut offizieller Statistik liegt die durchschnittliche Erfolgsquote bei der praktischen Autoprüfung schweizweit seit Jahren stabil bei rund 65 Prozent.

Dass nun eine neue Mindestquote von 50 Prozent eingeführt wird, wirft die Frage auf: Liegen einzelne Fahrschulen deutlich darunter? Gibt es also Qualitätsprobleme?

Das zumindest vermutet Hannes Bader, Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbands und selbst erfahrener Fahrlehrer: «Dass das Strassenverkehrsamt nun erstmals eine solche Quote kommuniziert, liegt wohl daran, dass es Zweifel an der Qualität einzelner Fahrlehrer hat.»

Das Zürcher Strassenverkehrsamt schreibt auf Anfrage: Eine Erfolgsquote von unter 50 Prozent könne darauf hinweisen, dass bei der Vorbereitung auf die Führerprüfung «Potenzial besteht». Neben einem «regelmässigen Austausch» mit den Fahrschulen kommuniziere man darum seit diesem Jahr die Erfolgsquote, um dem gesetzlichen Auftrag nachzukommen, die Qualität der Fahrausbildung zu überwachen. Die Erfolgsquote sei «ein Indikator für die Ausbildungsqualität».

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Fahrlehrer sorgt sich um negative Google-Bewertungen

Dem widerspricht ein weiterer Zürcher Fahrlehrer, der seit rund zwanzig Jahren im Beruf ist und anonym bleiben möchte, da er Nachteile für seine Schüler befürchtet. Er wurde Anfang Jahr vom Strassenverkehrsamt angeschrieben, weil seine Erfolgsquote unter 50 Prozent lag.

Er sagt, er könne die Quote nur bedingt beeinflussen, da jeder Fahrschüler das Recht habe, sich selbst zur Prüfung anzumelden. Viele wollten dies aus Spargründen so schnell wie möglich tun, auch wenn sie noch nicht bereit seien. «Der neue Druck zwingt mich, Kunden gegen ihren Willen von Prüfungen abzuhalten. Das führt zu negativen Google-Bewertungen und Reputationsschäden.» Zudem führe Druck selten zu besseren Resultaten – insbesondere bei Prüfungssituationen. Lehrpersonen würden ja auch nicht daran gemessen, wie viele Schülerinnen und Schüler sie ins Gymnasium bringen.

Fahrlehrer Bader jedoch fühlt sich durch die Quote nicht unter Druck gesetzt. «Wer seriös arbeitet, muss sich keine Sorgen machen.» Natürlich könne ein Fahrlehrer einem Schüler nicht garantieren, dass er die Prüfung besteht. «Aber in der Summe über ein Jahr hinweg sollten für jeden Fahrlehrer 50 Prozent Erfolgsquote machbar sein.»

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 21. Mai 2026 veröffentlicht.

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Quellen