«Schuldig», urteilte Einzelrichter Sven Bratschi. Mit hängenden Schultern sass der 26-jährige Angeklagte Adrian Meier (Name geändert) am 31. Oktober vor ihm. Beiden war bewusst, dass es beim Prozess vor dem Strafeinzelgericht Bern-Laupen um mehr ging als um Meier, der nur wenige Monate als Verkaufsagent der Firma Business Academy tätig war. Der Richter sollte anhand dieses Präzedenzfalls grundsätzlich entscheiden, ob die Geschäfte der Business Academy illegal sind. Im Strukturvertrieb verkaufen Agenten überteuerte Weiterbildungsangebote an junge Leute und kassieren hohe Provisionen (siehe Artikel zum Thema «Business Academy: Die Tricks der Turboverkäufer»). Die Firma betont immer wieder, dass es sich bei ihrem Verkaufsmodell nicht um ein verbotenes Schneeballsystem handle.

Der Richter hat nun anders entschieden. Das System verstosse gegen das Lotteriegesetz, sagte er und verurteilte Meier zu einer Busse von 800 Franken. Zusätzlich wird seine Provision eingezogen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, Meiers rechtlicher Vertreter, Michael Kummer, will den Fall ans Obergericht weiterziehen. Denn dieses wegweisende Urteil kann weitere zur Folge haben, so dass auch die Hintermänner ihre saftigen Gewinne abgeben müssten.