Das Kind und der nicht sorgeberechtigte Elternteil haben gegenseitig Anspruch auf ein angemessenes Besuchsrecht – so steht es im Gesetz. Den Umfang des Besuchsrechts legen die Kantone allerdings verschieden aus. Nun hatte das Bundesgericht – auf Verlangen eines Vaters – die Praxis des Kantons Aargau zu beurteilen, der das Besuchsrecht bei schlechtem Einvernehmen der Eltern generell einschränkt.

Gemäss Bundesgericht widerspricht dies dem Kindeswohl. So dürfe das Besuchsrecht nicht eingeschränkt werden, sofern das Verhältnis des Kindes zum besuchsberechtigten Elternteil gut ist – auch wenn zwischen den Eltern Spannungen bestehen.

Eine Einschränkung sei jedoch zulässig, wenn das Kind in einen Loyalitätskonflikt gerät. Solche Konflikte seien aber nicht leichthin anzunehmen; der Richter müsse den einzelnen Fall abklären. Liesse man eine generelle Einschränkung zu, könnte der Inhaber der elterlichen Sorge dem anderen Elternteil mit Streitereien gezielt das Besuchsrecht verunmöglichen. Zudem sei erwiesen, dass das Kind durch ein regelmässiges Besuchsrecht die Trennung der Eltern besser verarbeitet.

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