Im vorliegenden Fall ging es um einen knapp 44-jährigen Mann, der zwei Tage vor seinem Tod schriftlich anord­nete, auf dem Friedhof von Val-d’Illiez begraben zu werden. Trotzdem wurde er in Clarens beerdigt, weil seine Mutter und die Schwester darauf drängten.

Die Lebenspartnerin des Verstorbenen widersetzte sich vorerst nicht. Erst knapp ein Jahr später verlangte sie die Exhumierung der sterblichen Überreste und die Beisetzung in Val-d’Illiez. Beide Gemeinden und das Waadtländer Kantonsgericht gaben grünes Licht. Auch das Bundesgericht wies eine Beschwerde der Mutter und der Schwester des Verstorbenen ab. Das Bundesgericht stellte klar, dass das Selbstbestimmungsrecht des Verstorbe­nen dem Wunsch der Familie vorgeht. Und die Lebenspartnerin habe sich nicht gegen Treu und Glauben verhalten, weil sie anfänglich keine Einwände hatte. Das Bundes­gericht anerkannte, dass sie sich in ihrer damaligen Trauer dem Drängen der Familie nicht widersetzen konnte. Ausserdem habe sie unter Zeitdruck gestanden. Unter diesen Umständen habe sie ihr Recht nicht verwirkt, nachträglich für die Einhaltung des Wunsches ihres Lebenspartners zu sorgen.

Bundesgericht, Urteil vom 4. Februar 2010 (1C_430/2009)