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Das neue UrteilEinmal adoptiert, immer adoptiert

Eine 28-jährige Schweizerin verlangte vor Bundesgericht vergeblich, dass es die ­Adoption durch ihren Stiefvater aufhebt, damit ihr aufgetauchter leiblicher Vater sie anerkennen kann.

Möglich ­wäre laut Bundesgericht ­eine ­Anfechtung der Adop­tion nur, wenn sie gesetz­widrig erfolgt wäre. (Symbolbild)
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Die Identität des leiblichen Vaters hatte die Mutter bei der Geburt 1983 verheimlicht. Deshalb galt das Kind zunächst als vaterlos. Die ­Mutter heiratete darauf ­einen anderen Mann, der das Kind 1988 adoptierte. Nach der Scheidung 1996 brach der Kontakt zum Adoptiv­vater ab. Im Jahr 2007 ­gelang es der ­jungen Frau, ihren leiblichen Vater, einen Libyer, ausfindig zu machen. Seither pflegten die beiden einen regen ­Kontakt. Auf Wunsch aller Beteiligten – Kind, Mutter, Adoptivvater und leiblicher Vater – hob das Gericht Bern-Laupen die Adoption auf.

Das Obergericht des Kantons Bern und das Bundesgericht liessen das nicht zu. Nach deren Auffassung können weder Adoptiveltern noch das Kind die Adoption ­einfach widerrufen. Möglich ­wäre laut Bundesgericht ­eine ­Anfechtung der Adop­tion nur, wenn sie gesetz­widrig erfolgt wäre. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Da der Vater ­damals un­bekannt war, habe nur die Mutter der Adoption zu­stimmen müssen. Auch aus dem Recht auf ­persönliche ­Freiheit oder Achtung des Familienlebens ­lasse sich kein Anspruch auf eine ­Aufhebung der Adoption ­ableiten.

Bundesgericht, Urteil vom 14. April 2011 (5A_640/2010)

Veröffentlicht am 01. Juli 2011