Auf dem Weg zur Arbeit wollte ein Bauarbeiter einen BMW überholen. Dessen Lenker liess ihn nicht vorbei, worauf der Arbeiter zu nahe auffuhr. Der Beifahrer des BMW zeigte ihm den Stinkefinger, worauf jener die Lichthupe betätigte. Nun hielt der BMW am Ortsausgang, der Beifahrer stieg aus und schlug dem Mann durchs offene Seitenfenster mehrmals die Faust ins Gesicht. Der Arbeiter musste zum Arzt und war eine Zeitlang arbeitsunfähig. Da er den Unfall grob fahrlässig herbeigeführt habe, kürzte ihm die Suva das Taggeld um 20 Prozent. Das Berner Verwaltungsgericht bestätigte den Entscheid. Der Mann zog den Fall ans Bundesgericht weiter.

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«Keine ernstliche Gefahr»

Für die Bundesrichter war entscheidend, dass das Fehlverhalten des Arbeiters strafrechtlich nur als leichte Verkehrsregelverletzung geahndet wurde und die Insassen des vorausfahrenden BMW sich nicht in ernstlicher Gefahr befanden. Sie fühlten sich nur «nicht sehr wohl» und waren «langsam, aber sicher genervt». Auch war es zu keiner Kollision gekommen.

Damit fehle ein angemessener ursächlicher Zusammenhang zwischen Verkehrsregelverletzung und dem tätlichem Angriff. Der Arbeiter habe nicht damit rechnen müssen, dass sein Verhalten dazu führte, verprügelt zu werden. Das Bundesgericht sprach ihm die ungekürzten Leistungen zu.

Bundesgericht, Urteil vom 19. August 2013 (8C_263/2013)