Dagegen gibt es für eine einfache Verkehrsregelverletzung nur eine Busse. Bei Geschwindigkeitsübertretungen wenden die Gerichte meist starre Grenzwerte an: Innerorts gilt – nach Abzug der Sicherheitsmarge – eine Überschreitung um mindestens 25 Kilometer pro Stunde als grobe Verletzung, ausserorts dagegen um 30 und auf Autobahnen um 35 Kilometer pro Stunde.

Das Bundesgericht beurteilte einen Fall, in dem ein Automobilist im mit 60 Kilometer pro Stunde signalisierten Innerortsbereich mit Tempo 94 geblitzt wurde. Nach Abzug der Marge von 5 betrug die Überschreitung also 29 Kilometer pro Stunde. Der Autofahrer wurde von den kantonalen Instanzen wegen grober Verkehrsregelverletzung verurteilt.

Das Bundesgericht sieht das anders. Zwar gehöre der fragliche Strassenabschnitt zum Innerortsbereich, auch wenn er ausserhalb von dicht bebautem Gebiet liege und Höchsttempo 60 gelte. Doch die Strecke sei gut ausgebaut und übersichtlich, zudem war sie trocken, die Sicht- und Lichtverhältnisse gut, es gab wenig Verkehr. So verhielt sich der Fahrer trotz massiv überhöhtem Tempo laut Bundesgericht nicht rücksichtslos und ist nur der einfachen Verkehrsregelverletzung schuldig zu sprechen.

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Bundesgericht, Urteil vom 23. Oktober 2009 (6B_622/2009)