Der Chauffeur war in der Winterthurer Fussgängerzone mit seinem Sattelschlepper im Schritttempo von einer Seitengasse eingebogen. Er sah zwei Fussgänger, die beim Gehen mit gesenktem Blick in einen Lesestoff vertieft waren. Als die Männer auf der Höhe der Führer­kabine waren, realisierte der Chauffeur, dass sie nicht anhalten würden, und bremste sofort. Dennoch stiess der eine Fussgänger in den nun stehenden Sattelschlepper.

Die Fussgänger hatten kurz zuvor ärztlich verschriebenes Methadon eingenommen. Gemäss Bundesgericht spielt es keine Rolle, ob die Männer nur wegen des Lesestoffs oder auch wegen Drogenkonsums unaufmerksam waren. Der Chauffeur hätte die grundsätzlich vortrittsberechtigten Fussgänger mit erhöhter Aufmerksamkeit im Auge behalten müssen. Er befand sich in der Fuss­gängerzone und hätte sich – wenn nötig mit einem Hup­signal – ver­gewissern müssen, dass die Männer ihn gesehen haben und ihm allenfalls den Vortritt gewähren wollen.

Der Chauffeur muss nun 100 Franken Verkehrsbusse und 4000 Franken Ver­fahrenskosten bezahlen.

Bundesgericht, Urteil vom 9. August 2011 (6B_272/2011)