Im einen Fall ging es um zwei 77-Jährige, deren Wohnung nach 38 Jahren gekündigt wurde. Das Ehepaar war ­gesundheitlich stark angeschlagen. Zudem lebte der pflegebedürftige Sohn mit in der Wohnung. Der Vermieter, ein Immobilienhändler, wollte die Wohnung ver­kaufen, und zwar «leer». Er argumentierte, mit laufendem Mietverhältnis würde er beim Verkauf weniger Gewinn erzielen. Er hätte aber auch eine andere Wohnung in der Liegenschaft ver­kaufen können, deren Kün­digung für die Mieter wohl weniger hart gewesen wäre: Das Bundesgericht erkannte hier ein offensichtliches ­Missverhältnis zwischen den Interessen der Parteien und erklärte die Kündigung für missbräuchlich.

Im zweiten Fall kündigte die Eigentümerin, eine Aktien­gesellschaft, ein 23-jähriges Mietverhältnis, weil der Sohn der Alleinaktionärin in die fragliche Gartenwohnung einziehen wollte – wegen des Auslaufs für seinen Hund. Die Mieterin war gesundheitlich angeschlagen und in ­finanzieller Bedrängnis. Auch hier schätzte das Gericht die Argumente der Mieterin als wesentlich schlagkräftiger ein. Die Kündigung war ­daher missbräuchlich und somit ungültig.

Bundesgericht, Urteile vom 2. September und 6. Oktober 2010 (BGE 4A_300/2010 und BGE 4A_297/2010)