Eine Frau hatte in einer Basler Migros-Filiale 70 Artikel im Wert von 300 Franken in Taschen verstaut und diese in den Einkaufswagen gestellt. Damit ging sie an den Kassen im ersten Stock vorbei und fuhr mit dem Lift ins Parterre, wo sie das Gebäude durch eine Drehtür verliess. Draussen wurde sie von Ladendetektivinnen angehalten. Die Frau erklärte, sie habe am Aussenstand noch Gemüse kaufen und dort alles bezahlen wollen.

Wie schon die Basler Instanzen erachtete das Bundesgericht ihre Erklärung als unglaubhaft und als reine Schutzbehauptung. Es sei lebensfremd anzunehmen, jemand wolle eine derart grosse Warenmenge am Gemüsestand bezahlen, wo nur schon die Abstellfläche für all die Artikel viel zu klein sei. Auch nach Aussagen des Filialleiters habe das noch nie jemand gemacht. Daher hat die Kundin gemäss dem höchsten Gericht spätestens beim Durchschreiten der Drehtür den Tatbestand des Diebstahls erfüllt. Es bestätigte die Verurteilung zu einer bedingten Geldstrafe von 600 Franken (zehn Tages­sätze à 60 Franken) und einer Busse von 200 Franken.

Fazit: Grosseinkäufe sind spätestens an der letzten Kasse innerhalb des Ladens zu bezahlen. Das Bundes­gericht liess offen, ob es im Falle von sehr wenigen Artikeln ausnahmsweise erlaubt sein könnte, diese erst draussen am Gemüsestand zu bezahlen.

Bundesgericht, Urteil vom 5. Juni 2012 (6B_100/2012)