Ein frischgebackener Vater aus dem Thurgau raste kurz vor fünf Uhr früh mit seinem Auto durch St. Gallen. Das Spital hatte ihn angerufen, da das Neugeborene schwere Atem­aussetzer hatte, und ihn aufgefordert, sofort in die Klinik zu kommen, um lebens­wichtige Entscheide für das Kind zu treffen. Die Mutter war nicht ansprechbar.

In seiner Eile fuhr der Mann statt mit erlaubten 30 km/h mit zügigen 61 km/h durch eine Wohnstrasse. Das wäre eine grobe Verkehrsregelverletzung. Die St. Galler Staatsanwaltschaft verzichtete jedoch auf eine Strafverfolgung. Sie kam zum Schluss, der Mann sei in einer Notstands­situation gewesen und die Geschwindigkeitsüberschreitung ­deshalb gerechtfertigt.

Thurgau entzog ihm den Ausweis

Das Thurgauer Strassenverkehrsamt sah das anders. Es entzog dem Mann wegen grober Ver­letzung der Verkehrsregeln den Führerausweis für 12 Monate. Zu Unrecht, wie das Bundes­gericht befand. Das Strassen­verkehrsamt sei an die Einschätzung der Strafbehörden gebunden und dürfe nur in begründeten Fällen davon abweichen. Weitere Beweise, die eine andere Beurteilung erlaubt hätten, habe das Amt nicht eingezogen. Der Vater darf seinen Führer­ausweis behalten.

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Bundesgericht, Urteil vom 17. Januar 2013 (1C_345/2012)