Ein Fahrgast weigerte sich wiederholt, das Zugbillett vorzuweisen, wechselte das Abteil und trat ­einen Zugbegleiter schliesslich ans Schienbein. Reflexartig schlug dieser dem Passagier die Faust ins Gesicht und hielt ihn bis zum Eintreffen der Transportpolizei fest. Beide Männer mussten ärztlich behandelt werden.

Später stellte sich heraus: Der Fahrgast war geistig behindert, ­betrunken und stand unter Drogen. Die SBB kündigten das öffentlich-rechtliche Anstellungsverhältnis fristlos. Der Mitarbeiter wehrte sich und gelangte bis ans Bundesverwaltungsgericht.

Verwarnung hätte ausgereicht

Das Gericht wertete das Verhalten des Zugbegleiters zwar als schwere Pflichtverletzung. Er habe als ­«Visitenkarte» der SBB falsch und unangemessen reagiert. Eine ernsthafte Bedrohung habe nicht bestanden. Er hätte daher nach ­internen Vor­gaben Deeskala­tions­techniken anwenden müssen.

Aber seine 24 Jahre Diensttreue und das zuvor stets tadellose ­Verhalten relativierten die Schwere der einmaligen Verfehlung. Die Richter stuften die fristlose Entlassung daher als unangemessen ein. Eine Verwarnung hätte ausgereicht.

Weil Bundespersonalrecht anwendbar ist, wurde die Kündigung rückgängig gemacht. Die SBB müssen nun prüfen, ob sie dem Mitarbeiter eine andere Arbeit ­zuweisen können – allenfalls ohne Kundenkontakt.

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 18. Dezember 2012 (A-4611/2012)