Eine junge Äthiopierin war in ihrer Heimat mit 16 Jahren von einem hohen Offizier, der sie gegen ihren Willen heiraten wollte, entführt und über eine längere Zeit misshandelt und vergewaltigt worden. Ihr Vater billigte diese Misshandlungen. Auch von der lokalen Polizei und der Strafbehörde konnte die junge Frau keinen Schutz erwarten. Angesichts der Macht des Offiziers wäre sie an einem anderen Ort in Äthiopien ebenfalls nicht vor ihm sicher gewesen. Im Jahr 2003 flüchtete sie mit der Hilfe ihres Bruders in die Schweiz und reichte ein Asylgesuch ein.

Anders als die erste Instanz hiess die Schweizerische Asylrekurskommission das Gesuch gut. Sie betont im Entscheid unter Hinweis auf zahlreiche Studien, dass Frauen, die Opfer von Entführung und Vergewaltigung zwecks Heirat werden, vom äthiopischen Staat nicht denselben Schutz erhalten, mit dem männliche Opfer privater Gewalt rechnen können. Die Kommission führt weiter aus, dass diese Entführungen in Äthiopien eine grosse Bedeutung haben. Es müsse weiterhin damit gerechnet werden, dass der äthiopische Staat nicht in der Lage sei, die Täter zu bestrafen. Aus diesem Grund wird der jungen Frau Asyl in der Schweiz gewährt.

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Schweizerische Asylrekurskommission, Urteil vom 9. Oktober 2006