Ein im Tessin lebendes Paar wollte seine Tochter in einer amerika­nischen Privatschule einschulen, in der in Englisch unterrichtet wird.

Die Behörden erlaubten das aber nicht – mit der Begründung, das Tessiner Schul­gesetz sehe zwingend vor, dass Kinder während der obli­gatorischen Schulzeit auf Italienisch unterrichtet werden. Eine Ausnahme ­wäre nur möglich, wenn die Familie bloss vorübergehend im Tessin wohnen würde.

Die Eltern, ein italienisch-schweizerisches Paar, fühlten sich in ihrem Recht auf ­Sprachenfreiheit verletzt, ­einem Grundrecht, das in der Verfassung gewährleistet wird. Sie beschwerten sich deshalb vor Bundesgericht, blieben aber erfolglos.

Die obersten Richter wiesen darauf hin, dass die Sprachen­freiheit nicht absolut gelte. Im Tessin sei Italienisch die offizielle Sprache. Zwar sei diese Sprache nicht vom Aussterben bedroht, aber es sei schon früher klargeworden, dass es nötig sei, das Italienische gegen die wachsende Übermacht insbesondere des Deutschen zu schützen. Die einheimische Sprache sei aber gleichermassen gegen alle fremden Sprachen zu verteidigen.

Dieses öffentliche Interesse überwiegt gemäss den ­Bundesrichtern das ­private Inte­resse der Eltern, ihre Tochter in Englisch unterrichten zu lassen.

Bundesgericht, Urteil vom 26. April 2012 (2C_449/2011)