Eine Frau sperrte sich selbst aus der Wohnung. Da der Backofen noch eingeschaltet war, versuchte sie, über das Dach eines Anbaus via Fassade auf den Balkon ihrer Wohnung zu klettern – während sie Pantoffeln ohne Fersenteil trug. Die Aktion endete mit einem Sturz aus fünf Metern Höhe und diversen Verletzungen.

Die Unfallversicherung kürzte daraufhin die Taggelder sowie weitere Geldleistungen um die Hälfte. Die Bundesrichter schützten nun diesen Entscheid, da die Frau juristisch gesehen ein Wagnis eingegangen sei. Sie habe sich dem Risiko eines Sturzes – nicht zuletzt bedingt durch ihr Schuhwerk – bewusst ausgesetzt. Damit habe sie leichtsinnig und riskant, ja sogar waghalsig gehandelt.

Besser Hilfe von aussen geholt

Das Risiko sei besonders hoch gewesen, da sie die Gefahr nicht auf ein vernünftiges Mass zu beschränken vermochte. Dass sie mit einem Brand gerechnet habe, reiche nicht dafür aus, dass die Versicherung die Leistungen trotzdem erbringen müsse. Denn im Haus war niemand, und es sei nur darum gegangen, ein Feuer zu verhindern.

Die Frau hätte zudem Hilfe holen können, etwa ihren Ehemann, der in der Nähe arbeitete, oder Passanten, den Schlüsselservice, Polizei oder Feuerwehr. Das habe sie jedoch nicht getan.

Bundesgericht, Urteil vom 11. Januar 2013 (8C_640/2012)