Ein Autolenker fuhr auf der Autobahn 200 Meter auf dem Pannenstreifen langsam an einer Kolonne vorbei zur nächsten Ausfahrt. Er wurde mit einer Busse von 380 Franken bestraft. Zudem wurde ihm der Führerausweis für einen Monat entzogen. Dagegen erhob er Beschwerde beim Waadtländer Verwaltungsgericht. Dieses korrigierte den Entscheid und sprach nur eine Verwarnung aus.

Zu Unrecht, wie das Bundesgericht in seinem Urteil festhält. Ein solches Verhalten sei keine leichte Verletzung der Verkehrsregeln mehr, die mit einer Verwarnung sanktioniert werden könne. Es handle sich vielmehr um einen mittelschweren Fall, der mindestens einen einmonatigen Ausweisentzug zur Folge habe.

Das Überholen auf dem Pannenstreifen schaffe eine erhöhte abstrakte Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer. Beim fraglichen Manöver verstiessen Automobilisten gleich zweifach gegen das Gesetz: gegen das Verbot des Rechtsüberholens und gegen das Gebot, den Pannenstreifen nur für Nothalte zu benützen. Es handle sich auch nicht um ein Kavaliersdelikt. Weder die zurückgelegte Distanz noch das Tempo - selbst wenn der Autolenker nur 10 km/h gefahren wäre - spielten eine Rolle.

 

Bundesgericht, Urteil vom 11. Januar 2007 (6A.53/2006)