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Das neue UrteilVergewaltigung via SMS

Mit anonymen SMS gelang es einem Mann, seine Ex-Frau dazu zu bringen, mit ihm zu schlafen. Erst das Bundesgericht erkannte im Tatbestand Vergewaltigung und sexuellen Nötigung.

Ein Mann sandte seiner Exfrau und sich selbst zahlreiche anonyme SMS. Diese forderten das Paar zu sexuellen Handlungen im Wald oder im Schlafzimmer – bei offenen Vorhängen – auf. Der Täter drohte in den SMS damit, die gemeinsame Tochter werde verschwinden und der Sohn drogenabhängig gemacht, sollte das Paar nicht Folge leisten.

Das Obergericht hatte den Mann von der Anklage der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung freigesprochen und nur wegen mehrfacher Bedrohung verurteilt. Das Bundesgericht kam nun zu einem anderen Schluss: Im Versenden der SMS-Botschaften sei die vom Gesetz geforderte besondere Intensität der psychischen Einwirkung auf das Opfer gegeben. Die Exfrau sei durch die Drohungen gegen nahestehende Drittpersonen derart eingeschüchtert worden, dass sie sich schliesslich dem Ansinnen des Täters beugte. Der Mann habe zudem als vermeintliches «Mitopfer» das Vertrauen seiner Exfrau ausgenutzt und sie darin bestärkt, die Polizei nicht zu verständigen. Das gesamte Verhalten des Täters habe dadurch eine Zwangslage für das Opfer geschaffen, weshalb das höchste Gericht den Angeklagten für die Tatbestände der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung schuldig sprach.

Bundesgericht, Urteil vom 25. Mai 2005 (6S.266/2004)

Veröffentlicht am 04. Januar 2006