«Das starke und völlig unerwartete Abbremsen bei Autofahrten ist nicht aussergewöhnlich.» Das so ausgelöste Schleudertrauma sei rechtlich kein Unfall, meint das Eidgenössische Versicherungsgericht in Luzern, das den Fall einer Beifahrerin zu beurteilen hatte.

Die Beifahrerin suchte – angegurtet – etwas in ihrer Tasche, als der Autolenker unvermittelt bremsen musste. Dabei wurde der Kopf der Mitfahrerin nach vorn und zurück geschleudert. Eine Überbeugung der Halswirbelsäule war die Folge.

Bei Körperbewegungen ist ein ungewöhnlicher äusserer Faktor zu bejahen, «wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam ‹programmwidrig› beeinflusst hat».

Solche «Programmwidrigkeit» fehle bei Vollbremsungen. Im Strassenverkehr gehöre es zum programmgemässen Ablauf, wenn der Körper Bewegungsänderungen und somit physikalischen Kräften ausgesetzt werde, insbesondere bei Bremsungen. Solange nichts Besonderes hinzutrete, etwa ein Zusammenstoss, liegt laut dem Urteil aus Luzern kein Unfallereignis vor.

Der Unfallversicherer musste daher keine Zahlungen leisten.

Eidgenössisches Versicherungsgericht, Urteil vom 25. März 2004

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