Unter einer Autobahnbrücke bei Wallisellen ZH liegt ein wild entsorgter Computer. Ein Passant nimmt ihn mit, baut die Festplatte aus – und staunt: Da finden sich Kündigungsschreiben, Verwarnungen für Mitarbeiter, Zeugnisse und Absagen auf Bewerbungsschreiben – alles schützenswerte Daten. Ebenso Provisionsregelungen, Angaben über Umsätze, Kalkulationen, Lizenzverträge und Marktanalysen. Zudem mehrere private Fotos der Juniorchefin. Der Spaziergänger deponiert seinen Fund bei der Polizei.

Der Altcomputer gehörte der Zürcher Modefirma Maison Mollerus. Inhaber Ernst Mollerus kann sich nicht erklären, wie das Gerät auf die wilde Deponie kam: «Wir haben vor einigen Jahren mehrere ausgediente Computer einer sozialen Institution geschenkt. Ich weiss nicht mehr, welcher.» Dass die Daten nicht gelöscht wurden, sei wohl ein Fehler gewesen. Die Polizei habe sich zwar bei ihm gemeldet, aber die Sache damit auf sich beruhen lassen.

Festplatten muss man löschen

Wie beurteilt der Zürcher Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl den Fall? «Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, Personendaten gegen unbefugte Bearbeitung zu schützen.» Festplatten muss man also löschen, wenn Computer ausrangiert werden. Zivilrechtlich relevant sind mögliche Persönlichkeitsverletzungen. Im konkreten Fall: Wenn einem Mitarbeiter aus dem Datenleck ein Schaden entstehen würde, könnte er gegen Maison Mollerus klagen. 

Anzeige