Als «unseriös» kanzelte Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli in einem Interview im deutschen «Tagesspiegel» den Vorwurf ab, bei der umstrittenen Sterbehilfeorganisation Dignitas ginge das Sterben «zack, zack»: Die Leute würden nach Zürich kommen, zum Arzt gehen und sterben. «Damit werden wir verleumdet», zitiert der «Tagesspiegel» Minelli. Es gebe eine Studie an der Universität Magdeburg, in der die 136 Sterbebegleitungen des Jahres 2005 untersucht wurden: Die Zeit von der Kontaktaufnahme bis zum Freitod betrage im Schnitt fünf Monate.

Das Argument mit der «Studie» - wahlweise spricht Ludwig A. Minelli auch von einer «wissenschaftlichen Untersuchung» - zückt er zu seiner Verteidigung, wann immer der Vorwurf der Express-Sterbehilfe bei Dignitas fällt.

«Studie» war ein Praktikumsbericht
In Magdeburg reibt man sich die Augen. «Dignitas hat eine Aktenanalyse auf eigene Initiative und mit eigener Anleitung durchgeführt, an der die Otto-von-Guericke-Universität in keiner Weise beteiligt war», sagt Gerald Christopeit, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Eine Studentin habe im Rahmen eines Praktikums, angeordnet von Dignitas, die erwähnte Aktenanalyse durchgeführt. Diese Analyse sei aber weder von einem Institut der Universität Magdeburg geleitet noch beaufsichtigt worden. In diesem Zusammenhang von «Studie» zu sprechen ist also wenigstens irreführend. Einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit kann dieser «Praktikumsbericht» in keiner Art und Weise erheben.

Ludwig A. Minelli wollte zu diesem Widerspruch nicht Stellung nehmen. Seine Antwort war eine andere. Er belegte die gesamte Redaktion des Beobachters mit einem «Kontaktverbot». Als ihm bedeutet wurde, die Redaktion könne sich wegen der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht daran halten, weitete er das Verbot aus: auf alle Mitarbeiter der Beobachter-Herausgeberin Axel Springer Schweiz.

Anzeige