Beobachter: Herr Hensler, haben Sie schon einmal gekifft?
Beat Hensler: Nein, ich gehöre offenbar zu den wenigen Leuten, die das wirklich noch nie ausprobiert haben.

Beobachter: Und Ihre drei Kinder im Teenageralter, kiffen die?
Hensler: Ich behaupte jetzt mal, dass sie das nicht tun. Ganz sicher ist man als Vater aber natürlich nie.

Beobachter: Da könnten Sie Recht haben: Denn trotz den Anstrengungen der Polizei gegen den Hanfkonsum gibt es mehr – vor allem jugendliche – Pafferinnen und Paffer als je zuvor. Was läuft schief?
Hensler: Das heutige Betäubungsmittelgesetz mit seinem Verbot von Konsum, Handel und Produktion von Cannabis ist meiner Meinung nach gescheitert. Ich bin nicht für mehr Kiffen, der Konsum muss eingedämmt werden. Aber so, wie das heute passiert, funktioniert es nicht. Es müssen neue Wege beschritten werden: Der Hanfkonsum sollte entkriminalisiert werden.

Beobachter: Weshalb?
Hensler: Der repressive Weg hat nicht viel gebracht, im Gegenteil: Meist junge Menschen werden so in Kreise gezwungen, in denen sie sonst nicht verkehren würden. Die Kriminalisierung dieser Jugendlichen ist kontraproduktiv.

Beobachter: Das sehen die Politiker aber anders. Der Nationalrat wird wohl nicht auf die Hensler: Revision des Betäubungsmittelgesetzes eintreten. Damit bliebe alles beim Alten.
Hensler: Das ist leider zu befürchten.

Beobachter: Sind Sie enttäuscht?
Hensler: Ja, denn die Hanfproblematik muss von der Politik gelöst werden. Das kann die Polizei nicht, wir sind ja nur für den Vollzug zuständig. Wir gehen heute nicht gezielt gegen Kiffer vor, aber wenn eine Anzeige vorliegt, müssen wir natürlich einschreiten. Das ist unser Gesetzesauftrag. Hart und konsequent hingegen bekämpfen wir den Hanfhandel und die Hanfproduktion.

Beobachter: Das haben Sie ja kürzlich bei Ihrer Aktion «Green Fire», einer Razzia unter anderem gegen etliche Indoor-Hanfanlagen, bewiesen. Über 5400 Pflanzen im Wert von mehreren Millionen Franken wurden sichergestellt.
Hensler: Das war tatsächlich ein grosser Erfolg, wir waren überrascht über das Ausmass. Die Leute, die solche Anlagen betreiben, sind kriminell und arbeiten häufig in mafiaähnlichen Strukturen. Das muss unterbunden werden. Mit der Schliessung solcher Anlagen wird auch der Zugang der Konsumenten zum Stoff erschwert. Das finde ich richtig.

Beobachter: Wenn Handel und Anbau bekämpft werden und es dennoch zu einer Liberalisierung des Konsums kommt – wie sollen sich dann die Kiffer ihr Cannabis beschaffen?
Hensler: Ein wichtiger Punkt, mit dem sich die Politik befassen muss. Es gibt verschiedene Ansätze, zum Beispiel ein Bundesmonopol auf Cannabis oder eine kontrollierte Abgabe durch lizenzierte private Anbieter. Wichtig ist, dass die Kontrolle beim Staat liegt. Mit der Heroinabgabe seit Anfang der neunziger Jahre sind wir gut gefahren, die Kleinkriminalität wurde massiv reduziert, und auch die Gesundheitskosten sind zurückgegangen. Ich erhoffe mir Ähnliches durch die Hanfliberalisierung.

Anzeige