Beobachter: Fotografen haben versucht, mit kamerabestückten Drohnen Bilder von Tina Turners Hochzeitsparty zu schiessen. Darf man das?
Hanspeter Thür: Nein, natürlich nicht. Die Einwilligung des Grundstücksbesitzers müsste eingeholt werden. Und selbst wenn dieser einverstanden wäre, müssten die Personen, die sich auf dem Grundstück befinden, ihre Einwilligung geben.

Beobachter: Bei Tina Turner und ihren Gästen handelt es sich jedoch um Stars und ­bekannte Persönlichkeiten, die ­immer wieder die Öffentlichkeit suchen. Spielt das keine Rolle?
Thür: Nein, das ist eine private Ver­anstaltung, und selbst wenn die Veranstalterin Tina Turner heisst, kann sie darüber entscheiden, was sie davon öffentlich machen will.

Beobachter: Immer mehr Fotografen setzen bei grossen Events Drohnen ein, etwa bei Volksläufen. Wo sind da die Grenzen?
Thür: Bei solchen Anlässen wird in aller Regel darauf hingewiesen, dass Bilder gemacht und ins Internet gestellt werden. Als Teilnehmer kann man sich entsprechend verhalten, indem man wegschaut oder auf eine Teilnahme verzichtet. Setzt ein Fotograf ohne Absprache mit dem Veranstalter an einem Marathon eine Fotodrohne ein, ist das verboten.

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Beobachter: Gehört denn die Luft über meinem Kopf zu meiner Privatsphäre?
Thür: Natürlich, wie auch der Bereich vor meiner Haustür zu meiner Privatsphäre gehört. Es gibt einige Gerichtsurteile, die klar definieren, dass Aufnahmen vor einer Haustür ohne Einwilligung einer betroffenen Person weder gemacht noch verbreitet werden dürfen. Das gilt auch für Bilder aus luftiger Höhe.

Beobachter: Was kann ich denn machen, wenn über meinem Grundstück eine Drohne schwebt?
Thür: Den Fliegentätscher holen. Im Ernst: Rechtlich können Sie gegen den Fotografen wegen Persönlichkeitsverletzung klagen und Unterlassung und Genugtuung verlangen, wenn er damit Aufnahmen gemacht hat. Ich würde aber eher davon abraten, einen eingefangenen ­Fotohelikopter zu zerstören. Aber man darf ihn sicher einmal lagern, bis der Eigentümer kommt.

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Beobachter: Sind Sie als oberster Schweizer Datenschützer schon mit Fällen von unerlaubten Luftaufnahmen konfrontiert gewesen?
Thür: Wir haben zunehmend Anfragen in diesem Bereich. Weil die Geräte immer billiger werden, plädieren wir schon seit einiger Zeit für eine straffere gesetz­liche Regelung. Am 19. August wird sich im Übrigen auch die Verkehrskommission des Na­tionalrats mit der Frage befassen, inwiefern es hier strengere Gesetze braucht.

Hanspeter Thür, 64, ist Jurist und seit 2001 eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter. (Foto: Keystone)

Quelle: Emanuel Ammon/Aura
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