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Fifa-KorruptionMillionenzahlungen an Fifa-Funktionäre

Die Fifa und zwei ihrer Exponenten stehen schon seit längerer Zeit im Visier der Zuger Staatsanwaltschaft. Hintergrund sind Schmiergeldzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe. Jetzt ist bekannt, wer die Begünstigten sind.

Fifa-Präsident Blatter leitet seit 1998 als sogenannter Exekutivpräsident das Tagesgeschäft der Weltorganisation.
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Jahrelang standen der Weltfussballverband Fifa und zwei Fifa-Exponenten im Visier der Zuger Staatsanwaltschaft. Sonderermittler Thomas Hildbrand beschuldigte sie der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Veruntreuung. Im Mai 2010 stellte Hildbrand das Verfahren ein. Zuvor hatten Fifa und die beiden Fifa-Exponenten insgesamt 5,5 Millionen Franken Wiedergutmachung bezahlt.

Hintergrund der Strafermittlungen waren Schmiergeldzahlungen an die Fussballfunktionäre. Die Zuger Sportvermarktungsagentur ISL sicherte sich mit Millionenbeträgen die Gunst der Funktionäre, die ihr im Gegenzug jahrelang die lukrativen Marketing- und Fernsehrechte an Fussballweltmeisterschaften zuschanzten. Im Mai 2001 ging die ISL Konkurs, die zuvor geheimen Zahlungen kamen an die Öffentlichkeit.

Laut der Einstellungsverfügung, die dem Beobachter und der Handelszeitung vorliegen, handelt es sich bei den zwei beschuldigten Funktionären um die beiden Brasilianer Joao Havelange und Ricardo Teixeira. Teixeira, der Anfang Jahr aus der Fifa-Führung zurückgetreten ist, erhielt laut Erkenntnissen von Staatsanwalt Hildbrand 12,74 Millionen Franken von der ISL. Das Geld floss an seine Tarnfirma Sanud in Liechtenstein. Zudem soll Teixeira einer der wirtschaftlich Berechtigten gewesen sein an der Firma Renford Investments Ltd. Laut einer geheimen internen ISL-Zahlungsliste, die der Handelszeitung vorliegt, erhielt diese Gesellschaft mit unbekanntem Domizil alleine zwischen März 1998 und Mai 2000 über 5 Millionen Franken Schmiergelder.

An Renford ist laut dem Staatsanwalt auch Teixeiras Ex-Schwiegervater Havelange beteiligt. Er ist Vorgänger des aktuellen Fifa-Präsidenten, Joseph «Sepp» Blatter. Zusätzlich zu den Zahlungen an die Tarngesellschaft hat Havelange im März 1997 zudem 1,5 Millionen Franken erhalten.

Zu den Schmiergeldempfängern innerhalb der Fifa zählt auch der Paraguayer Nicolas Leoz. Er allerdings musste sich strafrechtlich nicht verantworten. Seine Bezüge waren denn auch signifikant tiefer als jene der beiden Brasilianer.

Doch nicht nur die beiden Funktionäre mussten sich vor dem Staatsanwalt verantworten, sondern auch die Fifa. Die Justiz beschuldigte sie, von den Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben, aber nichts dagegen unternommen zu haben. In der Verantwortung steht dabei insbesondere Fifa-Präsident Blatter, der seit 1998 als sogenannter Exekutivpräsident das Tagesgeschäft der Weltorganisation leitet. Bereits vor seiner ersten Wahl zum Fifa-Präsidenten war er als Generalsekretär für das Tagesgeschäft verantwortlich. Denn der damalige Präsident Havelange lebte in Brasilien und weilte nur sporadisch in Zürich.

Die Fifa wollte auf Anfrage der Handelszeitung keine Stellung nehmen. Teixeira und Havelange hatten in der Strafuntersuchung nicht bestritten, Gelder von der ISL kassiert zu haben. Sie bestritten einzig, dass dies von strafrechtlicher Relevanz sei.

Bereits Ende Dezember 2010 hatte das Obergericht des Kantons Zug entschieden, die Einstellungsverfügung dürfe den Medien zugänglich gemacht werden. Es wies damit eine Beschwerde der Fifa und der beiden Fifa-Exponenten zurück. Daraufhin gab die Fifa auf und stieg aus dem Verfahren aus. Nur die beiden Männer zogen den Entscheid an das Bundesgericht weiter. Mit mehreren Eingaben versuchte deren Anwalt bis zum Schluss zu verhindern, dass die Einstellungsverfügung veröffentlicht wird – vergeblich.

Einstellungsverfügung

Die Einstellungsverfügung vom 11. Mai 2010: Download (PDF)

Veröffentlicht am 11. Juli 2012